Posts Tagged ‘filzen’

Das Rübchen

„Der Großvater steckt ein Rübchen ins Beet, schaut jeden Tag nach, wie’s dem Rübchen so geht….“

Zu dieser wunderbaren Geschichte durfte ich für eine Kita Anfang des Jahres die verschiedenen Protagonisten herstellen.

Auch wer die Geschichte nicht kennen sollte kann sich denken, wie diese weitergeht….

Das langt noch nicht für das dicke Rübchen…

Aber mit Hilfe von Hund, Katz und Maus ist man gemeinsam schließlich erfolgreich.

Ich bin immer sehr glücklich, wenn Figuren aus meiner Werkstatt zum Geschichten erzählen eingesetzt werden – von LeherInnen in der Schule, von ErzieherInnen in Kindergarten und Kita, von NaturpädagogInnen im Wald, am Strand – wo auch immer.

Und egal in welcher Besetzung die einzelnen Figuren sich zu immer neuen Geschichten zusammen finden:

Erst durch die Geschichten, die mit ihnen erzählt werden erwachen sie aus ihrem Wollschlaf, können illustrieren, verdeutlichen, begleiten.

Bis dahin sind sie nur liebevoll verarbeitete Fasern – die Geschichte steckt im Erzählenden.

Eine Handvoll Glück

Für alle, die es heute besonders gut brauchen können….

Kommt gut durch die Woche.

Zur Mitte kommen

Eineinhalb Tage Überlegen, Legen, Überlegen, Legen, Schneiden, Legen, Anfilzen, Legen, Anfilzen, Filzen, Walken, Formen

und SCHON war es soweit:

Drei Mandalasitzkissen waren fertig zum Schleudern.

Die Ergebnisse sprechen für sich – was für eine Farbenpracht. Noch liegen sie hier fürs Gruppenbild auf dem nassen Tisch und warten auf ihre Befüllung.

Sicher aber werden sie dann – so sorgfältig aufgebaut und intensiv bearbeitet – sehr lange Freude bereiten.

Laternenzeit

Ich hoffe darauf, dass in diesem Jahr wieder Laternenlieder auf den Straßen klingen werden…

… Rote, Gelbe, Grüne, Blaue, lieber Martin komm und schaue….

Wildwuchs

Ein Rotkehlchen Nest – geschützt in der alten heugefüllten Sandmuschel am Boden im Schuppen. Zuerst bin ich erschrocken – ein dunkler Fleck, eine diffuse Bewegung, als ich nach längerer Zeit mal wieder die Türe öffnete.

Dann aber recht bald Entzücken und Rückzug. Nun ist das Nest bereits leer und einige Hüpferlinge waren im Garten zu sehen.

Wir füttern die Vögel das ganze Jahr über. Gerade jetzt in der Brutsaison stehen Weichfutter und Erdnüsse bereit, um die gestressten Altvögel während der Brut- und Aufzuchtphase bei Kräften zu halten und es ihnen zu erleichtern, die Insekten, die sie finden ihren Kleinen füttern zu können. So brüten hier neben Rotkehlchen u. a. auch Amseln, Spatzen, Meisen, Stare und Mönchsgrasmücken. Am Vogelhaus sind zudem Kleiber, Specht, Buchfink und Goldammer regelmäßig zu Gast.

Aber auch anderen Besuchern gefällt das Take-away ausgesprochen gut

Jeden Tag schaue ich dankbar dem bunten Treiben da draußen vor den Fenstern zu. Ich erlebe, wie sich verschiedene Tiere in unserer unmittelbaren Umgebung beheimaten und ihren Nachwuchs aufziehen. Ich bemerke, wie neue Pflanzen in unseren Wiesen Einzug halten, manche, um zu bleiben, manche, um nach einer Saison wieder zu verschwinden, um andernorts Wurzeln zu schlagen. Ich höre im Morgen- und Abendgrauen die verschiedensten Vögel, ihre Rufe und ihre Lieder und bin eifrig daran, sie zuordnen zu lernen.

Und mag auch nicht jedem der Wildwuchs, die dichten Hecken, die blühenden Wiesen oder mittlerweile ziemlich hohen, schattenspendenden Bäume in unserem Garten gefallen – die Steinhaufen, das Astgewirr, die Totholzhaufen, alte Baumstämme, Brenn- und Taubnesselecken oder so einige unaufgeräumte, halb vergessene Stellen wie die alte Heu gefüllte Sandmuschel im Stadel:

Wir sind glücklich, zumindest ein bisschen zu teilen und selbst Teil zu sein

Es ist das, was mir die täglichen Farben und Formen schenkt

Es ist, was mich beflügelt und erhält

Maientanz

Lasst den Frühling ein

In dieser Figur vereinen sich Gotlandpelzlocken mit meiner mit Erlenzapfen gefärbten Lieblingshautfarbe und einem leichten Filz aus Wensleydale und Ramie.

Im Figuren filzen auf diese Art und Weise stehe ich am Anfang einer sehr spannenden Reise – Schritt für Schritt fügen sich Puzzleteile offener Fragen in einem Prozess des Lernens, Scheiterns, Weitermachens.

Lasst auch ihr euch bescheinen und durchwärmen, selbst in Wind und Regen.

Sammelt Licht und Energie – die helle Zeit ist da, immer wieder, immer neu.

Bowls

Mittlerweile isst man ja alles in Bowls, schmeckt dann oft auch gleich viel besser. Quinoa würde ich zwar jetzt weniger anraten aus diesen Filzgefässen zu geniessen – in den letzten Tagen drehte sich hier in der Werkstatt dennoch einiges um runde Schüsseln. Verschiedenste Hohlformen entstanden, dick- und dünnwandig, aus grober und aus feiner Wolle, unifarben und gemustert, klein und ziemlich groß…

Tatsächlich werde ich von den schlichten Hohlformen nicht müde. Sie haben in der Fertigung einfach etwas Meditatives – sowohl beim Auslegen der Wolle

als auch beim Anfilzen der Oberfläche. Danach geht es – je größer desto fordernder – ins kraftvolle Walken.

Eins meiner Lieblingswerkzeuge – unübertroffen…
Lächelnder Zwischenstand

Egal, wie groß so ein Gefäß ist, der Rand bekommt immer eine zeitintensive Sonderbehandlung.

Auch diese Sitzkissen sind nichts anderes als runde Hohlformen

Wie wäre es im Sommer mit einem open air Tagesworkshop zum Thema Rund… Ich lass da meine Gedanken mal kreisen….

Wachgeküsst

Was bleibt zu sagen? Die Tage werden länger, die Vögel werden lauter, die Luft wird wärmer – die Natur ist wach geküsst….

Regionale Wolle Teil 3

Untertitel: warum weiß ich es nicht selber besser

Was im Netz steht muss stimmen…. bis man es selber verwirft, mehrfach… Das geht wahrscheinlich nicht nur mir so ( note to myself: aber du weißt es doch eigentlich besser…)

Fakt: ich bin im Zuge der Wollepidemie hier, wider besseren Wissens, der fakenews gefolgt, Rohwolle ganz einfach und ohne Aufwand in der Waschmaschine zu waschen…. Zugegeben als Experiment mit einer kleineren Menge nicht sonderlich filzfreundlicher Fasern… Und: was soll ich sagen..

Also nur soviel: bei mir funktioniert das jetzt eher weniger – kommt halt drauf an, welches Ergebnis man erwartet. Möchte man gerne zusammengefilzte harte Wollklumpen ( was ja eigentlich klar war) die schon irgendwie sauber aussehen dann ja.

Nichts soll umsonst getan werden, deswegen ein kleiner Beitrag für euch zu diesem Thema – gern lasse ich mich eines Besseren belehren, da wäre ich gespannt.

Nun denn, ich kann ja nichts wegschmeißen – also musste eine Verwendung her, die ich hier mit euch teile. Hierzu könnt ihr natürlich nicht nur gewaschene Rohwolle verwenden – wie wäre ein generelles Ausmisten der Wollvoräte ( es wird Frühling) und alles, was nicht mehr ganz taufrisch ist kann für dieses Projekt verwendet werden

Unbrauchbare Wollreste, Bergschaf natur, Garn, Weißer Kammzug

Für meine Figurenlandschaften, als Fotohintergrund, als Raumdeko oder Fensterstopper – grössere Filzsteine sind da einfach unschlagbar und entwickeln auch auf Besucher eine schon fast magische Anziehungskraft.

Um einen solchen größeren Stein zu filzen braucht es einiges an Wollinnenleben – genau das Richtige für ungeliebtes Material, bei mir die verhunzten gewaschenen Wollknödel

Diese zu einem sehr festen Kern wickeln – Größe nach Gusto. Zur weiteren Stabilisierung in zwei Streifen Bergschaf wickeln, ebenfalls sehr fest und mit Garn gut in allen Richtungen fixieren – auch hierfür gerne das Hässlichste aus der Kiste endlich verwenden (alles ist dafür kompatibel, am besten sind Garne, die sich selbst durch ihre Beschaffenheit nochmal mit der Wolle verbinden können)

Diesen Knödel lege ich nun erstmal in warmen Seifenwasser ein bevor ich ihn weiter in allen Richtungen mit Streifen von Bergschafvlies umwickle. Natürlich ist auch jede andere gut filzende Wolle dafür einsetzbar – Vlies ist um vieles dankbarer als Strang, mit gröberer Wolle filzt es sich hier leichter als mit feinen langen Fasern. Wieviele Lagen ihr aufbaut entscheidet selber – mein Spruch wären mindestens drei komplette. Ich nehme allerdings viel mehr, denn ich will den unregelmäßigen Kern später beim Anfassen nicht mehr spüren. Die Streifen ziehe ich ähnlich wie Frischhaltefolie mit genug Zug ( ohne die Fasern reißen zu lassen) in alternierenden Richtungen um den seifigen Stein und lege auch jede Lage einzeln wieder mit nassen seifigen Händen an.

Wenn ich genug habe lege ich mit einem weißen Kammzugrest noch eine Quarzader auf, bevor ich den Stein mit einem Stück Gaze bedecke und nun erstmal die Oberfläche auf allen Seiten durch sanfte Reibung schließe, bis sich die Fasern nicht mehr verschieben. Gaze dazu immer wieder abheben und bei Bedarf neu auflegen, ansonsten filzt diese mit ein.

Nun komme ich bald zu dem Punkt, daß die Oberfläche geschlossen, die Filzhülle aber noch zu groß für das Inlet ist. Hier zeigt sich nun, wie prima es ist, wenn der Kern fest gewickelt war. Denn nun geht es ans Eingemachte, es kann gerollt, geworfen, gebounct und geklopft werden- bietet der Kern einen Widerstand geht alles viel leichter.

Da meine Wollreste im Inneren ja bereits verfilzt und sehr fest zusammengerollt waren schrumpfen diese nicht mehr sehr stark mit. Anders verhält es sich, wenn man gut filzfähige Wollreste im Inneren verwendet – diese zu einem wirklichen festen Kern wickeln, bevor ihr loslegt. Auch dieser wird im Prozess noch schrumpfen, hat aber weniger Spiel dazu als ein unmotivierter Haufen Fasern.

Wenn der Stein nun stabil und die Hülle gut an das Inlet geschrumpft ist wasche ich das Stück aus. Um überschüssiges Wasser zu entfernen kommt der Stein bei mir in die Schleuder ( bitte mit einigen Handtüchern als Polstermaterial). Wer keine Schleuder hat rollt ihn in einem trocken Handtuch fest aus, formt ihn danach zum Trocken und legt ihn auf ein Gitter ab. So kann das Stück von allen Seiten trocken.

Ach ja- und wenn wir schon bei Tips aus dem Netz sind ( trau-schau-wem):

Sich diese Arbeit mit einem Inlet aus schmutziger Rohwolle zu machen und drauf zu vertrauen, dass der Filzvorgang eh allen Dreck aus dem Stück fegen wird…. schaut beim Arbeiten zwar so aus und funktioniert, meiner Erfahrung nach, bei Flächen aller Art auch wirklich gut, vorallem, wenn man im Arbeitsprozess immer mal wieder die Schleuder einsetzt. Hier allerdings hinterlässt der übrige Wolldreck nach dem Filzen Trauerränder auf allen Seiten des Steins ( siehe Bild) welche erst nach dem Trocknen sichtbar werden. Ich habe mich bemüht, diese Verschmutzungen zu entfernen – das Bild zeigt das Ergebnis nach dem 4. Einseifen, Auswaschen und Trocken – keine Chance.

Also : wieder nix mit schnell mal machen ( haben wir Handwerker auch schon gewusst) – die Steine sind aber trotzdem eine einfache und zügige Methode, ungeliebte Wolle wunderschön verschwinden zu lassen.

Und als kleine Kulisse finde ich sie einfach toll

Klassiker

Ein kleiner Beitrag zum klassischen Gitterschal. Immer wieder wird ein solcher bei mir bestellt, ist er doch sowohl weich und leicht als auch wärmend und anschmiegsam, passt zum kleinen Schwarzen wie zur Jeans und sieht sowohl bunt kombiniert als auch Ton in Ton immer irgendwie besonders aus.

Leider fiel auch der Kurstag zu diesem Thema im vergangenen Jahr flach – einer von vielen geplanten und auch gut gebuchten. Denn gerade dieser Klassiker bietet soviele Möglichkeiten der Variation, das man gar nicht glauben mag, wieviel Spaß es bringt, sich mit Gittern, Ranken, Geweben und Co zu beschäftigen.

Dazu gern mehr an einem zukünftigen Kurs – heute nur dieser kleine simple Tipp:

Das Finish

– ist der Schal auf das Fertigmaß geschrumpft sehen die Enden der verschiedensten Stränge etwas verfuzzelt, haarig und positiv gesprochen sehr organisch aus.

Ein paar Millimeter kappen macht einen sehr großen optischen Unterschied. Damit meine ich nicht unbedingt, alle Fransen mit dem Millimetermaß gleichmäßig einzukürzen ( auch das geht natürlich). Ich trenne mich jeweils tatsächlich nur von den letzten Millimetern einer jeden Franse, bevor ich das Stück auswasche und schleudere. Das Ergebnis wirkt um so vieles aufgeräumter, stabiler und fertiger ( wenn ich den nicht vorhandenen Komparativ bemühen darf…)

Durch Ziehen oder Dämpfen bekommt ihr es noch glatter und geradliniger – was ich meist nicht beabsichtige. Einen feinen Rand mit geschlossenen Enden jedoch schon.

Also ruhig mal zum Schluß hin die Schere zur Hand nehmen – ein“ich-laß-das-jetzt-so“ hat im kreativen Prozess durchaus seine Berechtigung – schöner wird es manchmal, wenn man noch mal Zeit investiert und Hand anlegt.

Und so verließ dann auch dieser rote Halsschmuck erst nach dieser letzten Behandlung die Werkstatt Richtung Geburtstagstisch – viele unsichtbare Handgriffe später – so wie es im guten Handwerk nun mal ist.