Archive for the ‘Naturfärberei’ Category

Sonnenwarmes Wintergelb

Um ein bisschen Sonnengelb in die Webarbeiten auf einer Kinderfreizeit der Naturschule MV zu bringen erhielt ich diesen Färbeauftrag. Da auf unserer Streuobstwiese immer Baumschnitt anfällt und wir uns auch von einem Gartenapfel trennen mussten war genug Färbedroge da. Nun nehme ich euch wie versprochen gerne mit – Handschuhe an und los!

Bitte achtet auf alle Schutzmaßnahmen ( schon des Öfteren hier in meinen Beiträgen beschrieben), die euch und eurer Umwelt dienen. Ich beschreibe hier einen meiner Färbegänge – eine Anleitung stellt dies jedoch nicht dar.

Zuerst muss mal die Rinde von den Ästen. Ob ihr diese trocknen lasst oder frisch verarbeitet ist euch überlassen – ich arbeite hier nach dem Prinzip 1:1, sprich :

1 Teil Färbegut : 1 Teil Färbedroge getrocknet

aber

1 Teil Färbegut : 2 Teile Färbedroge frisch

Da ich immer gebeizte Wollstränge vorrätig habe (Kaltbeizverfahren) konnte ich auch diesen Punkt überspringen und gleich zum Wiegen übergehen. Für die Färbung mit Apfelrinde eignet sich neben der für mich so unkomplizierten Kaltbeize natürlich auch die klassische Alaun-Vorbeize. ( Nachtrag Juli 22: ich denke, ich werde ab jetzt wieder komplett auf diese Art der Vorbeize umsteigen)

8x 25g Bergschafwolle zu 208 g Rinde – das sollte gut und gerne für ein sonniges Gelb ausreichen. Es war der Rest des Rindenvorrats und ich wollte keine Krümelchen aufbewahren.

Mit warmen Wasser übergossen ließ ich die Rinde über Nacht einweichen – das Wasser färbte sich umgehend gelb. Die Einweichzeit kann ohne weiteres verlängert werden, doch die Zeit drängte, sollte die Wolle doch rechtzeitig den Weg an die Ostsee finden. Zudem könnten auch die Rindenstückchen noch stärker zerkleinert sein – auch das trägt zum verbesserten Farbaustritt bei.

Am nächsten Tag wanderte alles in den Topf und wurde dann ca . 2 – 3 Stündchen gesiedet. Ich achte darauf, dass der Topf nicht sprudelnd kocht – was mir bei anderen Pflanzen und ihren Farben allerdings wichtiger erscheint als hier bei der Rinde des Apfelbaums ( eigene Einschätzung – keine Anleitung!)

Danach habe ich die Platte ausgestellt und den Farbsud abkühlen lassen – wiederum über Nacht. Am nächsten Morgen habe ich den Sud abgeseiht ( durch ein Tuch, um möglichst viele Schwebstückchen zu erwischen), habe die zuvor in Wasser eingelegte Wolle hineingelegt und alles langsam auf ca. 80 Grad erhitzt.

Nach ca. 1 Stunde habe ich die Platte wieder ausgeschalten und die Wolle bis Abends im Sud abkühlen lassen ( das geht im Winter dann doch schneller als im Sommer – mein Färbeplatz ist ja draussen)

Dann habe ich mit einem großen Schöpfer die Wolle entnommen und wiederum in ein Wasserbad gelegt um die nicht gebundenen Farbpartikel auszuwaschen.

Nach dem Schleudern bot sich nun im feuchten Zustand diese Farbe – erst das Trockenen an der Luft bringt aber die endgültige Farbe zum Vorschein.

Diese hier leuchtete aber auch im trockenen Zustand unbeirrt weiter.

Denkt also beim bald fälligen Zuschnitt eurer Apfelbäume an das strahlende Gelb, das uns dieser Baum neben seinen weißen Blütenblätterregen im Frühling und den saftigen Früchten im Herbst schenkt.

Oder schaut euch um, wo ihr Apfelbaumholz geschenkt bekommen könnt, trocknet die Rinde und verwahrt sie dann in einer Papiertüte, die ihr mit Pflanze und Erntezeitpunkt beschriftet, bis ihr sie einsetzen könnt.

Es ist dieses sonnenwarme Wintergelb, was mich gerade fröhlich macht – ich hoffe, es leuchtet für euch mit.

Lila Wolken

Noch blüht der Lavendel und schickt seine lila Duftwolken durch die warme Sommerluft.

Und so entstehen auch hier in der Werkstatt kleine Sommerbewohnerinnen für den Jahreszeitentisch.

Gefilzt aus allerlei pflanzengefärbten Wollen und bestickt schicken sie Hochsommergrüße zu Beginn der Ferien.

Erdbeerchen

Kann man genug von Erdbeeren bekommen? Ich denke nicht…

Das Erdbeermädchen trägt ein Kleid gefärbt mit Rosenblütenblättern

Dreh dich, Erdbeerchen – und halte die Erinnerung an leuchtend rote Sonnenmomente warm…

Färben mit Efeublättern

Seit einigen Jahren arbeite ich mich durch die Pflanzen meiner unmittelbaren Umgebung – hier ein kleines Update.

Efeublätter habe ich an unserer Hauswand abgeflückt und für ca. 1 Stunde erhitzt (nicht gekocht), danach über Nacht stehen gelassen. Am nächsten Tag habe ich die Blätter entnommen und den Sud zusätzlich durch einen Baumwollmull geschüttet, um Schwebeteilchen abzusieben.

Hierbei war deutlich zu sehen und zu spüren, wie seifig das Wasser war – manche Leute nutzen Efeu aufgrund der enthaltenen Saponine wohl tatsächlich zum Wäsche waschen ähnlich dem Einsatz von Rosskastanien (auch mit diesen habe ich vor Jahren schon gefärbt).

Wichtig zu erwähnen ist, dass Efeu in all seinen Teilen eine giftige Pflanze ist und ich somit meine mir selbst auferlegte Regel, diese von meinen Färbeexperimenten auszusparen gebrochen habe. Zum Absammeln der Blätter habe ich Handschuhe angezogen und sogar eine ( der ja mittlerweile in jeder Tasche vorrätigen) Masken angezogen, da der Pflanzensaft zu Hautreizungen führen kann. Ausserdem kann die Pflanze beim Abschneiden/Pflücken kleine Teile abgeben, die eingeatmet werden können. Beim Umgang mit Pflanzenteilen und Beizen ist ein persönlicher Schutz in Form von Handschuhe und bei Pulver und giftigen Pflanzen einer Schutzmaske nicht zu vernachlässigen. Auch den Dämpfen ungiftiger Pflanzen muss man sich nicht ungeschützt oder achtlos aussetzen.

Generell noch ein Wörtchen:

Die Beschreibung meiner Färbevorgänge möchte ich nicht als Anleitung verstanden wissen – es gibt Kurse und Bücher, aus denen man mithilfe sehr erfahrener Färberinnen Schritt für Schritt in dieses alte Handwerk der Pflanzenfärberei eingeführt wird. Von diesen Fertigkeiten bin ich weit entfernt und beschränke mich zum einen auf regionale Pflanzen und zum anderen auf ein sehr eingeschränktes Beiz- und Nachentwicklungsverfahren. So viel unglaubliche nachhaltige Farbenpracht ist möglich – meine Versuche sind nur ein sehr kleiner Ausschnitt. Beim Färben gibt es einiges zu beachten – achtet auf euch, eure Familiemitglieder, eure Haustiere, eure Umgebung und bildet euch fort. Dann öffnet sich eine ganz neue Welt.

In den abgeseihten kalten Sud habe ich nun kaltgebeizte Wolle beigefügt und zum Test immer auch ein bisschen ungebeizte Fasern. Das Verhältnis von frischen, also nicht getrockneten Färbedrogen zu färbenden Fasern wie Wolle oder Seide ist im allgemeinen 2:1. Das ist eine Faustregel, kann in Fällen aber auch abweichen. Ich habe mich hier an diese Regel gehalten und entsprechend dem Gewicht der Blätter halbsoviel Wolle abgewogen. Nach dem Einlegen in die Flotte habe ich diese standardmäßig langsam erhitzt und dann für etwa 1 Stunde leise simmern lassen. Der erste Zug erstrahlte dann in einem sattem gelbgrün, was mir jedoch nicht besonders zusagte. Auch wenn die endgültige Farbe erst nach Trocknung zu sehen ist entschied ich mich gleich dafür, diesen Gelbton mithilfe von Eisenwasser nachzubeizen.

So erhielt ich ein kräftiges warmerdiges Grün, mit dem ich sehr glücklich bin. Auf dem Bild ist links vom Efeu zu erkennen, dass auch die ungebeizten Fasern die Farbe gut aufgenommen haben ( evtl. wegen der vielen enthaltenen Saponine?) Über die Farbechtheit kann ich noch nichts sagen. Rechts vom Efeu sieht man die farblich intensiver strahlenden Ergebnisse auf gebeizter Wolle, ohne und mit Nachbehandlung. Ich werde diese Wolle zum Figuren gestalten ( trocken) für meine Erzählkränze verwenden.

Gerne lege ich euch – Werbung ganz ohne Bezahlung- das Buch “ Natürlich Färben mit Pflanzen“ von Franziska Ebner und Romana Hasenöhrl ans Herz. Hier finden Anfängerinnen gute Anregungen und generelle Einordnungshilfen- ein buntes Buch voller Anfänge, ohne zu überfordern.

Ein Besuch bei Anke Culemann auf ihrem Blog wollenaturfarben lässt einen ins Staunen versinken ob der Fülle der Pflanzen- und Faservielfalt und ihres Wissens.

Das sind zwei ganz persönliche Tipps – bleibt neugierig.

Wildwuchs

Ein Rotkehlchen Nest – geschützt in der alten heugefüllten Sandmuschel am Boden im Schuppen. Zuerst bin ich erschrocken – ein dunkler Fleck, eine diffuse Bewegung, als ich nach längerer Zeit mal wieder die Türe öffnete.

Dann aber recht bald Entzücken und Rückzug. Nun ist das Nest bereits leer und einige Hüpferlinge waren im Garten zu sehen.

Wir füttern die Vögel das ganze Jahr über. Gerade jetzt in der Brutsaison stehen Weichfutter und Erdnüsse bereit, um die gestressten Altvögel während der Brut- und Aufzuchtphase bei Kräften zu halten und es ihnen zu erleichtern, die Insekten, die sie finden ihren Kleinen füttern zu können. So brüten hier neben Rotkehlchen u. a. auch Amseln, Spatzen, Meisen, Stare und Mönchsgrasmücken. Am Vogelhaus sind zudem Kleiber, Specht, Buchfink und Goldammer regelmäßig zu Gast.

Aber auch anderen Besuchern gefällt das Take-away ausgesprochen gut

Jeden Tag schaue ich dankbar dem bunten Treiben da draußen vor den Fenstern zu. Ich erlebe, wie sich verschiedene Tiere in unserer unmittelbaren Umgebung beheimaten und ihren Nachwuchs aufziehen. Ich bemerke, wie neue Pflanzen in unseren Wiesen Einzug halten, manche, um zu bleiben, manche, um nach einer Saison wieder zu verschwinden, um andernorts Wurzeln zu schlagen. Ich höre im Morgen- und Abendgrauen die verschiedensten Vögel, ihre Rufe und ihre Lieder und bin eifrig daran, sie zuordnen zu lernen.

Und mag auch nicht jedem der Wildwuchs, die dichten Hecken, die blühenden Wiesen oder mittlerweile ziemlich hohen, schattenspendenden Bäume in unserem Garten gefallen – die Steinhaufen, das Astgewirr, die Totholzhaufen, alte Baumstämme, Brenn- und Taubnesselecken oder so einige unaufgeräumte, halb vergessene Stellen wie die alte Heu gefüllte Sandmuschel im Stadel:

Wir sind glücklich, zumindest ein bisschen zu teilen und selbst Teil zu sein

Es ist das, was mir die täglichen Farben und Formen schenkt

Es ist, was mich beflügelt und erhält

Maientanz

Lasst den Frühling ein

In dieser Figur vereinen sich Gotlandpelzlocken mit meiner mit Erlenzapfen gefärbten Lieblingshautfarbe und einem leichten Filz aus Wensleydale und Ramie.

Im Figuren filzen auf diese Art und Weise stehe ich am Anfang einer sehr spannenden Reise – Schritt für Schritt fügen sich Puzzleteile offener Fragen in einem Prozess des Lernens, Scheiterns, Weitermachens.

Lasst auch ihr euch bescheinen und durchwärmen, selbst in Wind und Regen.

Sammelt Licht und Energie – die helle Zeit ist da, immer wieder, immer neu.

Jetzt aber

Ein hoffentlich letztes Mal greift der Winter mit schneebedeckten Krallen zu – ehrlich: mir ist das nun schon lang genug….

In all den langen Tagen mit unzähligen Spaziergängen an unspektakulär und doch so verwunschenen Plätzen an Donau oder Isar entlang bahnte sich auch auf dem Filztische ein bisschen Veränderung an. So entstehen gerade kleine Wesen, die ich bis auf ihre Kleidchen komplett in Nadelfilz Technik arbeite

Die verwendeten Wollen sind oft direkt hier aus der Gegend und ich habe sie mit den Pflanzen meiner Umgebung gefärbt. In diesem Jahr wanderten bereits Erlenzapfen, Rosenblüten und Kirschbaumrinde in den Topf – auch eine Portion von Freunden mit gesammelter Avocadokerne schenkte mir warmes Rose.

All diese Wollfarben und im letzten Jahr gefärbtes Stickgarn gepaart mit den Erlebnissen in Wald und am Fluss ergab diese kleine Mischung:

Und seitdem habe ich – zumindest im Kopf – bei jedem Spaziergang Begleitung

So wünsche ich auch euch eine Zeit voller Begleitung und kleiner Freuden – es lohnt sich meist, genauer hinzuschauen…

Und noch vieles wartet darauf, entdeckt und gestaltet zu werden

Ecoprint für Einsteiger

Noch bis zum 4. September läuft die Anmeldefrist zu einem Tag voller Aaaas und Oooos für alle, die sich einen kleinen Anschubser zum Thema Ecoprint wünschen

Nach einer kleinen Einführung in eine recht unaufwändige Variante dieser Technik drucken wir mit einheimischen Blättern und Pflanzenteilen – die Farbpalette vor der Haustüre quasi – auf Baumwollstoffen oder Seide.

Ganz nebenbei gibt’s noch einen kleinen Upcyclingvorschlag – deswegen auf jeden Fall mindestens ein altes, aussortiertes helles T-Shirt mitbringen (darf definitiv auch kleine Löchlein oder einen ausgeleierte Kragen haben!)

Wieviel Spaß das machen kann, welche Welten sich nach diesem kleinen Einstieg öffnen können, wie die eigene Umgebung plötzlich mit ganz anderen Augen gesehen werden kann, was man danach dringend nicht mehr weg schmeißen kann, welche Spannung es bringt, Farbrollen zu öffnen und das alles in Gesellschaft von Gleichgesinnten in lustiger Runde und rundum malerisch und gut versorgt im Kräutercafe Hollerstubn von Elisabeth Emlinger in Seebach /Deggendorf….

… ist wie Urlaub vor der Haustüre – herzlich willkommen!

Sommerleben

Ja – es ist zugegebenermaßen ruhig hier bei mir geworden… das mag zum einen daran liegen, dass die große Hitzewelle im letzten Monat das Werken hier unter dem Dach schier unmöglich gemacht hat. Dafür habe ich viel Zeit im Garten in meiner Färbeküche verbracht und mich Tag für Tag darüber gewundert, wie ich es bis jetzt ohne Pflanzenfärbung ausgehalten habe. Dieses Thema nimmt mich sehr in Beschlag und auch wenn bereits hunderte von Büchern und Blogeinträgen existieren kann nichts die Aufregung mindern, wenn ich nach der Siedezeit in den Topf schaue, nach Stunden nochmal oder am nächsten Tag nochmal…und sich so Tag für Tag die ganz eigene Land- und Farbkarte meiner unmittelbaren Umgebung immer bunter färbt.

Ich geniesse diese Zeit in der Natur – auch wenn es nur eine Stunde ist. Qualität statt Quantität – und die Neugier nimmt nicht ab.

Färben mit Fichtenzapfen
Färben mit stumpfblättrigem Ampfer
Färben mit Rosenblütenblätter

Wer mehr über meine Färbeausflüge wissen möchte schaut einfach mal bei Instagramm vorbei – die filzwerkstattaugentrost hat da nämlich seit Jahresanfang einen kleinen aber feinen Kanal auch zum Thema Pflanzenfarben.

Wie gesagt – die letzten Kurse liefen Anfang Juni

so entstanden neben Gartenmedaillons

verschiedenste bewachsene Steine.

Endlich ist auch das neue Programm 2019/20 mit all seinen neuen Inhalten fertig – in den nächsten 2 Wochen wird es hier zu finden sein – versprochen! Nicht nur dieses Getippsel sondern auch so manche andere trockene PC – Arbeit hat mich die letzten Wochen beschäftigt – dazu aber ein anderes mal mehr.

Ich höre jetzt auch wieder auf und begebe mich zu meinem Färbetopf – darin zieht seit vorgestern die Wegwarte. Es sieht darin schon ganz schön sonnig aus….und so viele Blüten warten noch….


rockig

Sehr viel Seide und recht wenig Wolle – hier verbinden sich mit Blätterdruck (ecoprint) bedruckte Ponge mit feiner handgefärbter Chubut zu einem duftigen Rock in warmen Herbstfarben

dazu passt ein Cacheur in ähnlicher Machart – aber mit etwas Glitzer…

ich war gerade im örtlichen Stoffgeschäft – oooooo – der nächste Rock wird tüllig…..