Heute ist er nun da, der Sommer. Und eben fielen mir Bilder dieser drei gefilzten Figuren in die Hand – bereits im Advent zogen sie aus der Werkstatt aus. Damals schien er soweit fort,
der Sommer
mit all seinem Duft nach Beeren und Blüten
nach Kräutern und Heu
mit seiner leuchtenden Farbenpracht an allen Ecken und Enden.
Und so zogen Walderdbeerchen, Wilder Thymian und Ringelblume ohne große Sentimentalitäten von dannen. Jetzt aber habe ich sie gerade fest im Herzen und im Moment grüßen sie mich alle drei, wenn ich durchs Fenster in den Garten schaue und scheinen mir zu zurufen:
Der Sommer ist da – nimm dir die Zeit zu staunen, zu genießen, zu entdecken….
Bereits im Februar trafen sich sechs Frauen bei mir in der Werkstatt, um ihre ganz eigene Waldgeschichte zu filzen. Für zwei Tage tauchten wir ein in die Faserarbeit – sowohl ins Nass- als auch ins Nadelfilzen.
Mit starken, naturfarbenen, heimischen Wollen widmeten wir uns am ersten Tag ganz unserem Geschichtenbaum mit all seinen Wurzeln, Astlöchern und Rindenstrukturen. Auch eine Höhle im hohlen Stamm durfte nicht fehlen – und so loteten wir neben der individuellen Gestaltungsfreiheit, die uns selbst eine gemeinsame Schablonenform zugesteht, Farben und Formen der jeweiligen Baumrinden aus. Das alles geschah mit Wasser und Seife – es wurden Fasern gelegt, Einzelteile vorbereitet und vorgefilzt und anschließend alles stabil miteinander verbunden, verfilzt, gewalkt und ausgeformt.
So endete der erste Filztag mit einem Blick in den entstandenen Wald in all seiner Unterschiedlichkeit und Diversität. Eine lernte von der anderen und bereits jetzt stand für einige bereits der Plan für einen weiteren Baum fest.
Am zweiten Filztag widmeten wir uns ganz den BewohnerInnen unserer Bäume.
Ausgehend von einer einfachen Grundform erforschten wir die Möglichkeiten der einfachen Tiergestaltung – immer in Hinblick und der Abwägung auf den zukünftigen Einsatzzweck.
Verschiedene Fasern boten hier ganz verschiedene Ansätze und Möglichkeiten.
Und: es ist immer gut zu erproben und zu prüfen, welches Material/ welche Wollsorte für welches Projekt in welcher Technik für welchen Zweck dienlich und brauchbar ist. Ich wage zu behaupten, dass an diesem zweiten Filztag viel Raum und viel Energie zum Ausprobieren, Lernen und Einüben war. Viele verschiedene Vögel und Waldtiere wurden nach einem ersten Impuls und mit meiner Begleitung genadelt und alles bezog nach und nach den Geschichtenbaum.
Die Ergebnisse, die am Ende der zwei Tage in alle Himmelsrichtungen abreisten – ob in Kindergärten, Schulklassen, Familien oder Praxen waren wahrlich aufsehenerregend…
Jedes Werk trug seine ganz eigene Handschrift und ich war am Ende dieses Tages eine sehr glückliche Filzerin….
Diesen Kurs werde ich im nächsten Werkstattjahr erneut anbieten
– schreibe mir gerne eine Nachricht nach info@augentrost.info, wenn ich dich vorab über den neuen Termin ( 2-tägig) informieren soll sobald dieser feststeht. Denn tatsächlich war dieser Kurs der erste, der sehr schnell ausgebucht war und es gibt bereits eine Interessentinnenliste, auf die ich dich gerne aufnehme.
Über die Jahre sind so viele Figuren unter meinen Händen entstanden….viele aus meiner eigenen Laune heraus und noch mehr auf Bestellung für Kindergärten, Schulen, Bildungseinrichtungen oder auch Privatpersonen. Jede Einzelne bringt mich weiter auf meiner Reise durch die phantasievolle kleine Welt und lässt mich das Material Wolle immer neu austesten – ob nun in Nass – oder Nadelfilztechnik.
Viele Figurenkurse durfte ich bereits anleiten, in meiner Werkstatt und auch bei anderen Bildungseinrichtungen und Trägern sozialer Arbeit. (Noch habt ihr die Möglichkeit, euch für einen zweitägigen Kurs im Februar in der LVHS Niederalteich anzumelden – hier werden wir tief in die Wollwerkelei und die kleine Welt eintauchen)
Besondere Freude machen mir die kleinen und großen Figuren, die ich für die Naturschule MV in Mecklenburg- Vorpommern anfertigen durfte und immer wieder darf. Hier dienen diese nicht nur zur Dekoration des Schaufensters in Wismars Altstadt oder der Mitte während der Einheiten, sondern dürfen auch Ihren Teil in der Aus- und Weiterbildung von Natur- und Waldpädagoginnen beitragen. So entstehen immer neue Annäherungen an Jahreszeiten, Naturphänomene und andere wilde Themen, die in der Wald- und Naturpädagogik und vor allem in der Umsetzung dieser in der Gruppenarbeit jeglicher Ausprägung eine Rolle spielen.
FrühlingWinterFrau HolunderEichenkerlchen
Figurenbau, und scheinen die Protagonisten noch so schlicht, erfordert Wissen um Material, Proportionen und Bauweise – und viel Übung und Einfühlungsvermögen. Es gibt so viele verschiedene Arten, sich einer Figur zu nähern – ausschlaggebend ist für mich die gewünschte Einsatzweise. So baue und verarbeite ich Figuren, die im Kindergarten als Erzählfigur zum Einsatz kommen auf andere Weise als Figuren, die im erzieherinnengeleiteten Puppenspiel, als Dekoration der Mitte in der Gruppe oder als Erzählfigur einer Lehrerin verwendet werden.
SommerEichelhäherfrau
Offen dürfen sie sein, meine Figuren – offen für die neuen Geschichten und Gefühle derer, die sie mit ihnen zeigen, erzählen, hören und fühlen.
Schlicht dürfen sie sein – ohne Klimbim und vorgefertigter Ausstattung, bereit, einfach zu sein und zu unterstützen, nicht zu bestimmen.
Hummelmütterchen
Besonders im Gedächtnis und auch im Herzen geblieben sind mir die Kurse, die ich bei Maika Hoffmann im Rahmen der zweijährigen Ausbildung „Ganzheitliche Naturbildung“ der Naturschule MV in natura gegeben habe.
Nicht nur, dass der erste Kurs vor mittlerweile 3 Jahren meine erste Reise nach Mecklenburg- Vorpommern, ins schöne Wismar und die angrenzende Umgebung war. Die Atmosphäre innerhalb der Menschen, die hier für ihre Fortbildung im Rahmen der Umweltbildung zusammen kommen ist eine ganz spezielle.
Liebevoll, lustig, kritisch hinterfragend, wissbegierig, phantasievoll, eifrig und achtsam – so beschreibe ich die Stimmung in den Kurseinheiten, in denen die Teilnehmerinnen ihre Figur in Bezug auf ihr ganz persönliches Naturthema in ihrer Ausbildung gestalteten.
So entstanden auch im Sommer 2023 inmitten von Wald, Wiesen und Wasser einzigartige Wollwesen, gebaut mit Herz und Verstand. Mögen sie die Figurenbauenden lange begleiten in ihrer so wichtigen Arbeit.
Gruppenbild der Naturwesen Kurs 2023
Momentan bin ich bereits wieder beschäftigt mit der Anfertigung kleiner Waldmeisterchen (ich habe darüber im letzten Jahr hier erzählt.
Auch, wenn man nicht in Mecklenburg- Vorpommern wohnt gibt es bei der Naturschule MV in-natura die Möglichkeit für Mitarbeitende in Kitas, Kindergärten, Schulen oder anderen sozialen Einrichtungen, aber auch für alle interessierten Einzelpersonen, sich im Bereich Natur- und Waldpädagogik qualifiziert und zertifiziert auch online fortzubilden. Das ist nun Werbung (denn gute und ernst zu nehmende Weiterbildungen gibt es nun mal nicht umsonst) jedoch unbezahlt, unbeauftragt und aus tiefer persönlicher Überzeugung.
Nun schicke ich euch in eine neue Woche vorfrühlingsahnungsvollen Winters – der bald mal Platz machen darf, von meiner Seite aus….Geduld, Geduld…