Posts Tagged ‘filzen’

donauschätze

hier kommt noch ein kleiner nachtrag zu der bereits beendeten kursreihe in den deggendorfer werkstätten der lebenshilfe. aus bergschaf- und neuseelandmerinowolle in schillerndem grün, munterem türkis, tiefem blau und schaumigem weiß filzten die teilnehmerInnen kleine dosen.

die werkstätten liegen direkt hinter dem donaudamm – ja, und jeder fluß, gerade der große und weitgereiste donaustrom birgt wundersame, sagenumwobene schätze. so entstanden diese schatzhüter aus flußfarben – wer weiß, ob nicht auch eine nymphe oder ein uferwicht dorthinein gesammeltes flußgold und edelsteine legen möchte…

sommerwissen

 

im eisigen licht der morgensonne liegt für mich bereits ein versprechen

bald wird es sommer – den ganzen winter warte ich darauf, jahr für jahr

so filzte ich unverdrossen ein kleidchen aus extrafeiner merinowolle, tussaseide und etamin de laine

die wärmsten sommerfarben aus der sommerfärbung des letzten jahres waren dafür genau richtig – glaubt mir:

er kommt – der sommer

kardieren

 

kardieren, auch kardätschen oder krempeln nennt man den vorgang des wolle kämmens. ziel ist es hierbei, die fasern der wolle so parallel wie möglich auszurichten, um daraus ein (krempel-) vlies oder flor zu gewinnen.

eine wunderbare winterbeschäftigung ist das kardieren mithilfe der sogenannten handkarden. diese haben eine wollauflagefläche von ca. 10x25cm und sind gespickt mit kleinen parallel ausgerichteten drahthäkchen. durch ein gleichmäßiges ziehen und wenden kann so wolle nach dem waschen gekämmt oder aber auch bereits gekämmte wolle farblich gemischt werden.

gleichermaßen, wenn auch in einer größeren durchlassmenge arbeitet man mit der tischkardiermaschine (elektrisch oder mit handkurbel). diese wird in verschiedenen breiten angeboten. mithilfe gegenläufiger walzen, ebenfalls mit unzähligen kämmhäkchen gespickt, wird die unten eingegebene wolle zu einem je nach geduld und können mehr oder minder gleichmäßigen vlies gekämmt. das eine wie das andere ist bei einer größeren wollmenge eine anstrengende bisweilen schweißtreibende arbeit – verglichen mit der arbeit, die wolle mithilfe des samenstands der weber-karde, auch kardendistel genannt (dipsacus sativus) für die handspindel vorzubereiten , wie die frauen in den frühen zeiten, ist das  allerdings bereits ein kinderspiel.

…wobei es durchaus ein kinderspiel wert ist, mit denselbigen das wollekämmen im herbst auf der wiese mit dieser pflanze einmal auszuprobieren – und danach mit der handspindel ein fädchen zu drehen …

im handel erhältliche vliese und bänder werden über große elektrische oder noch mechanische kardiermaschinen geschlagen. je nach wollsorte, grad der verschmutzung durch vegetabilien, feinheitsgrad etc. wird die charge ein oder mehrmals über die walzen gelassen, teilweise bestehen kardiermaschinen, die früher vorwiegend in spinnereien standen auch aus zwei aufeinanderfolgenden walzen.

 
 
 

mit großem wissen um die maschinen und das ausgangsmaterial können so auch verschiedenste melangen und materialmixe entstehen – wie hier in der kardiererei von sonja und bernd fritz von wollknoll (www.wollknoll.eu)

da schlägt das herz einer filzerin, weberin, spinnerin doch gleich ein paar takte höher…ideen-ideen-ideen………….

must have

zurück von einer woche filzinput bin ich voller neuer und kribbeliger eindrücke – zum thema „sich ein fell zulegen“ beschäftigten wir uns beim wollknoll in neuhausen eine knappe woche mit rohwolle.

rohwolle ist der begriff für die wolle, die direkt vom schaf kommt. nach der schur, ungewaschen, unsortiert und ungekämmt ein eldorado für den schafliebhaber, gewöhnungsbedürftig in haptik und geruch für die ländlich eher ferneren teilnehmerinnen.

unter der sehr erfahrenen und fröhlichen leitung von heidi greb erfuhren wir nicht nur theoretisch sondern auch praktisch die eigenheiten in der direkten verarbeitung dieses materials.  wir lernten zu sondieren, zu sortieren, vorzubereiten, zu kombinieren und mutig auch die farblich unbestimmteren wolllocken zu verwenden, mit der hoffnung auf eine angenehme farbe nach wasser und seife.

neben unterschiedlichsten proben entstanden verschiedenste archaisch anmutende kleidungsstücke, die ein wirklicher schutzraum für den körper sind.

stellt wolle in neuseeland oder australien einen wichtigen wirtschaftsfaktor dar, bekommt man in europa aufgrund der gröberen qualität verschwindend geringes entgelt pro (vorsortiertem) kilogramm – so landet rohwolle nach der schur meist auf dem mist oder im feuer. was ehemals lebenswerte schuf verkommt zum entsorgungsfall – und mit dem ursprungsmaterial ebenso der saisonale auswurf der gewinnmaximierend arbeitenden textilindustrie, welche in der regel ohne rücksicht auf menschliche oder ökologische verluste in erzeugerländern alle woche neue „preis-WERTE“ (????) ware unter die leute labelt .

die arbeit mit der rohwolle, dem wollfett an den händen, gras, kletten und auch wegstaub inklusive ließ mich eintauchen in ursprünglichkeiten,  ließ mich nachdenken über wege von textilien, über notwendigkeiten und überfluß in sachen kleidung, über regionalen reichtum der wollsorten und über so manches damit verbundenes.

es ist nicht jederfraus sache, gefilzte kleidung aus rohwolle/ mit rohwollelementen zu tragen und das muß es auch nicht werden. für mich war die auseinandersetzung mit diesem thema jedoch wieder mal ein anstoß in die richtige richtung – weg vom „must have“ hin zum „how to do“  – eine wirklich WERT-volle erfahrung.

filzmontag

 

wie bereits im vorjahr verbringe ich die montagvormittage in den deggendorfer werkstätten der lebenshilfe. diese bieten für die werkstattgängerInnen als zusätzliches angebot verschiedenste kurse an, wie z.b. schreiben, tanzen, trommeln oder eben auch filzen.

ich habe mich gefreut, als auch für dieses jahr die anfrage an mich kam, ob ich diese sechs vormittage übernehmen wolle. im letzten jahr hatten wir nämlich eine menge spaß, da flogen die filzbälle über den tisch oder hopsten die schatzdosen von einem zum anderen.

nach anfänglichen raum-und zeitverwirrungen am ersten tag (ich spreche allerdings nicht von wurmlöchern…) fanden wir uns dann doch noch zusammen und nutzten die verbliebene zeit eifrig, obwohl nur die hälfte der mann-/frauschaft erschien.

mittlerweile hat es sich jedoch eingependelt und auch heute habe ich wieder ein neues gesicht begrüßen dürfen – 8 teilnehmerInnen umfaßt die gruppe nun.

schön zu erleben, wie die erfahreneren den wollneulingen („ist das watte?“) mit rat und tat zur seite stehen – so entstand heute im größten neuschnee grade zum trotz ein kleiner blütenurwald in buntesten farben – na, auch schon frühlingssehnsucht?

gerne schreibe ich einen beitrag über unsere montags-filzprojekte  – wenn interesse besteht, lasst es mich via kommentar wissen – auch interessieren mich eure erfahrungen im bereich filzen in der arbeit mit menschen mit behinderung sehr. ich kann nur sagen : dieser montag hat mit viel spaß und lachen begonnen – die woche kann kommen!

wer hat die schönsten schäfchen

 

der letzte kurs dieses jahres ging recht beschaulich zur sache

schäfchen für die krippe, für den jahreszeitentisch oder auch zum spielen wurden in gemütlicher runde im gARTen hengersberg gefilzt.

umkleidet mit gotland-, wensleydale- oder mohairlocken wurden diese sehr liebenswert weich, wollig und wuschelig.

beim anblick dieser schäferei unnd speziell der kleinen lämmchen kam mir die geschichte „das hirtenbüblein“ in den sinn.

ein kleiner junge geht auf die suche nach seinem weißen lämmchen schneeweiß und trifft so manches tier und auch einen freundlichen zwerg, der ihm mit seiner laterne zur seite steht, bis schneeweiß endlich aus einem graben gerettet und wieder in die arme geschlossen werden kann.

wer also noch auf der suche nach einem geschenk für 2-5 jährige ist, kann mit diesem liebevoll illustrierten bilderbuch bestimmt so manches kleine und auch große herz erwärmen – und wenn ihr auch noch so ein kleines schneeweiß dazu fertigt, egal ob gefilzt, gestrickt, gehäkelt…ist die freude bestimmt noch um einiges grösser – es sind noch 9 tage, ihr habt also noch zeit!

zuckerstangen

herzen, äpfelchen…

alles, was rot ist und so richtig von weihnachten träumen läßt wurde heute in gemütlicher kursrunde  im gARTen hengersberg gefilzt. platz finden wird es an kränzen, gestecken oder sogar am weihnachtsbaum in der guten stube.

die ein oder andere wird es sich wohl vielleicht dreimal überlegen, ob diese herzensdinge tatsächlich als geschenk herhalten sollen – vielleicht für die freundin?

aber es muß schon die allerbeste sein…!

back home

die tage in der filzschule oberot waren wie jedesmal ein geschenk für mich – zeit, ruhe, inspiration, zuspruch und kritik, gespräche über gott und die welt, fachsimpeln über wollqualität, erwünschten schrumpf und oberflächenstrukturen, lachen und weinen, kaffee und caipi, und schokolade, schokolade, schokolade….

der letzte block meiner fortbildung ist nun beendet – jede arbeitete bereits an ihrem abschlußprojekt, das im juli 2011 auf der abschlußausstellung aller 4 klassen dieses jahrgangs seinen würdigen rahmen finden wird.

ganz deutlich zeigten sich dieses mal die unterschiedlichen wege und intentionen der einzelnen zum und im medium filz – oft wird in diesem zusammenhang das wort „unerschöpflich“ bemüht und auch ich möchte es für mich so greifen; wolle und filz lassen mich immer  immer neu legen, nässen, anfilzen, formen – eine form formt die nächste bereits in gedanken, ein gefilztes stück macht neugierig auf ein neues. ich liebe das gefühl der verschiedensten wollsorten in meinen händen, den geruch, das gefühl, mir dieses material bereits so vertraut gemacht zu haben.

an einem abend wie diesem, nach einem filzabend mit acht ganz unterschiedlichen frauen, bei dem es um die lust zur farbe für kalte winterabende ging, an dem die ein oder andere zum ersten mal wasser, wolle und seife miteinander in verbindung brachte und sich über das ergebnis freute, an dem sich ein netz vergnügter hingabe spann  – da bin ich glücklich

über diese fasern, die nicht nur sich, sondern auch menschen im tun miteinander verbinden.

zwergenhüttenstadt

während mein wirklich unwiederbringlich letzter block der filzschule näher rückt, versammelten sich dienstag abend acht frauen mit einer mission.

in der manufaktur wurde gefilzt, zwergenbehausungen aller colour, quasi ein schöner wohnen für die anderswelt…

ein mit viel herz gestaltetes spielzeug für alle zwerge(-nfreundInen) und auch das gibt es käuflich zugunsten des kindergartens zu erwerben am 25. und 26. nov im rahmen des bunten marktes deggendorf oder aber auf dem adventsbazar des freien kindergartens am 1. advent ebendort.

und: wer weiß, welche welten sich noch öffnen mit diesem zaubehaften utensil…

herbstfrüchte

heute fand der erste filzkurs des herbst-/winterprogramms im gARTen hengersberg statt.

wieder regten sich viele unermüdliche hände und filzten, rollten, wickelten, drehten oder wie das hier in niederbayern so nett heißt: „wutzelten“ herbstfrüchte aller arten.

das ziel, mit einfachen aber probaten gestaltungsmitteln zu einer naturnahen abbildung zu kommen hängt meiner meinung nach zu einem teil von der beobachtungsgabe, natürlich vom können in der praktischen umsetzung der gestaltungsidee, aber auch maßgeblich vom einsatz der richtigen wolle ab.

so tut es mir desöfteren leid, wenn teilnehmerinnen frustriert, ja fast ängstlich von ihren ersten filzbegegnungen erzählen, in denen ungeeignete und absolut überteuerte wolle aus bastelbeständen, zudem noch in homöopathischen dosen verkauft, zum einsatz kamen – mißerfolg vorprogrammiert.

deswegen kann ich nur allen anraten, die sich fürs filzen interessieren: laßt euch beraten, welche wollsorte und in etwa wieviel davon für euer vorhaben die geeignete ist, so daß mühe, schweiß und kreativität schlußendlich ein zufriedenstellendes ergebnis finden können – und laßt euch nicht von einem verunglückten versuch vom filzen abhalten, wenn es euch in den fingern juckt, denn:

 langer atem trägt schließlich (herbst-)früchte!