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Fingerverspielt

Immer wieder rappelt`s im Karton, wenn ein paar Mädels und Bübchen, Gartenwichtel oder Schnecken zu ihren neuen Spieler und Spielerinnen reisen

Gute Reise – und bleibt verspielt!

schneckentempo

jedes mal eine freude – ein verlassenes schneckenhaus im unterholz. verfärbt, fremdbewohnt, bemoost oder schneeweiß – ein jedes anders. gerade der frühe frühling, in dem das gras noch kurz und die rangen kaum bewachsen sind, ist unsere hauptjagdzeit. denn jedes schneckenhaus, das in meiner werkstatt ein neues gesicht oder einen neuen bewohner erhält ist mit sicherheit niederbayerischen, schwäbischen oder fränkischen ursprungs – und allesamt selbst- oder familiengefunden.

gerade ziehen wieder nicht nur scharenweise schneckenhauskinder in ihre frisch geschrubbten und an der sonne getrockneten behausungen ein, in der zeitweil entsteht im schneckentempo schmückendes kleid für diese wunderwerke der natur.

ich sitze unter dem duftendem flieder und besticke stich für stich – nicht „um“, nicht „weil“ sondern einfach nur aus freude über die sonne, die farben, die düfte.

ein bisschen schneckentempo am tag – das hindert mich nicht am tun, nein. es tut mir und meiner seele gut.

 

 

 

 

tante hedwig

obwohl der frühling heute tatsächlich schon zu riechen war, machte sich tante hedwig sorgen. der so sorgfältig aufgeschichtete brennholzberg vor ihrem mauseloch unter der alten eiche am fluß nahm in den letzten wochen so schnell ab, dass sie beschloss, die sonnigen stunden zu nutzen, um etwas nachschub zu holen. gerade hier kommt der winter oft mit voller wucht zurück,  wenn bereits die schneeglöckchen läuteten – und von diesen war bisher weit und breit nichts zu sehen…der weg am fluß entlang war nicht gerade ungefährlich, nicht immer hielt die schmilzende eisschicht hungrige raubfische ab, aus dem wasser zu schnellen und kleine unvorsichtige mäuse zu verschlingen-

tante hedwig schauderte, denn die geschichte von urgroßonkel oskar, der beim algenfischen von einem riesenhaften hecht ins wasser gerissen worden  und seitdem nie wieder aufgetaucht war, war eine legendäre und allgegenwärtige familiengeschichte, die mit vorliebe allen kleinen mäuschen erzählt wurde, wenn diese zum ersten mal ans wasser geführt wurden.

dass urgroßonkel oskar nachweislich von einer über ecken verwandten wanderratte auf einem überseedampfer nach amerika im laderaum gesichtet wurde, wo er es sich in einem maissack wohl sein ließ, gehört nicht an diese stelle –  ist auch nicht teil der familiensaga und wird bis dato totgeschwiegen. einzig und allein urgroßtante adalberta, die mit ihren 15 kindern im witwenstand zurückblieb, schien seit dem besuch der wanderratte doch leicht verstimmt, schloß sich der frühen mäusinnenbewegung an und trug seither eine lila schleife am mäuseschwanz.

nachdem die holzsammelei in einer vom wind heimgesuchten hecke erledigt war, schnürte tante hedwig, in gedanken immer noch von der schaurigen vorstellung des raubfisches und seiner 18 zahnreihen (cousin erwin sprach sogar von 21) gefangen, ihr bündel und begab sich auf den heimweg. mittlerweile blies der rauhe ostwind wieder heftiger und sie war froh um ihr kuscheliges kopftuch, ein erbstück von oma friedel. 

 

den heimweg über den katzentobel nahm sie dieses mal recht frohen mutes – hier lauerte zu dieser jahreszeit mit sicherheit keine gefahr. der dicke, graugetigerte kater, der hier desöfters ein nickerchen hielt, kam erst wieder in den sonnigen monaten heraus. jetzt lag er schnarchend und sabbernd im warmen menschenhaus auf der couch –  keine zehn tiger würden ihn in die nasse winterkälte bringen.

nun kann der winter auch noch ein bisschen ums loch pfeiffen, dachte tante hedwig. genug weizen im bau, genug holz vor der hütten – so konnte maus es sich gefallen lassen – und vielleicht kam ja heute nachmittag noch cousine agatha aus agatharied zu besuch – der eichelkaffee blubberte bereits schmatzend auf dem herd – wie lecker…

 

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