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Färben mit Efeublättern

Seit einigen Jahren arbeite ich mich durch die Pflanzen meiner unmittelbaren Umgebung – hier ein kleines Update.

Efeublätter habe ich an unserer Hauswand abgeflückt und für ca. 1 Stunde erhitzt (nicht gekocht), danach über Nacht stehen gelassen. Am nächsten Tag habe ich die Blätter entnommen und den Sud zusätzlich durch einen Baumwollmull geschüttet, um Schwebeteilchen abzusieben.

Hierbei war deutlich zu sehen und zu spüren, wie seifig das Wasser war – manche Leute nutzen Efeu aufgrund der enthaltenen Saponine wohl tatsächlich zum Wäsche waschen ähnlich dem Einsatz von Rosskastanien (auch mit diesen habe ich vor Jahren schon gefärbt).

Wichtig zu erwähnen ist, dass Efeu in all seinen Teilen eine giftige Pflanze ist und ich somit meine mir selbst auferlegte Regel, diese von meinen Färbeexperimenten auszusparen gebrochen habe. Zum Absammeln der Blätter habe ich Handschuhe angezogen und sogar eine ( der ja mittlerweile in jeder Tasche vorrätigen) Masken angezogen, da der Pflanzensaft zu Hautreizungen führen kann. Ausserdem kann die Pflanze beim Abschneiden/Pflücken kleine Teile abgeben, die eingeatmet werden können. Beim Umgang mit Pflanzenteilen und Beizen ist ein persönlicher Schutz in Form von Handschuhe und bei Pulver und giftigen Pflanzen einer Schutzmaske nicht zu vernachlässigen. Auch den Dämpfen ungiftiger Pflanzen muss man sich nicht ungeschützt oder achtlos aussetzen.

Generell noch ein Wörtchen:

Die Beschreibung meiner Färbevorgänge möchte ich nicht als Anleitung verstanden wissen – es gibt Kurse und Bücher, aus denen man mithilfe sehr erfahrener Färberinnen Schritt für Schritt in dieses alte Handwerk der Pflanzenfärberei eingeführt wird. Von diesen Fertigkeiten bin ich weit entfernt und beschränke mich zum einen auf regionale Pflanzen und zum anderen auf ein sehr eingeschränktes Beiz- und Nachentwicklungsverfahren. So viel unglaubliche nachhaltige Farbenpracht ist möglich – meine Versuche sind nur ein sehr kleiner Ausschnitt. Beim Färben gibt es einiges zu beachten – achtet auf euch, eure Familiemitglieder, eure Haustiere, eure Umgebung und bildet euch fort. Dann öffnet sich eine ganz neue Welt.

In den abgeseihten kalten Sud habe ich nun kaltgebeizte Wolle beigefügt und zum Test immer auch ein bisschen ungebeizte Fasern. Das Verhältnis von frischen, also nicht getrockneten Färbedrogen zu färbenden Fasern wie Wolle oder Seide ist im allgemeinen 2:1. Das ist eine Faustregel, kann in Fällen aber auch abweichen. Ich habe mich hier an diese Regel gehalten und entsprechend dem Gewicht der Blätter halbsoviel Wolle abgewogen. Nach dem Einlegen in die Flotte habe ich diese standardmäßig langsam erhitzt und dann für etwa 1 Stunde leise simmern lassen. Der erste Zug erstrahlte dann in einem sattem gelbgrün, was mir jedoch nicht besonders zusagte. Auch wenn die endgültige Farbe erst nach Trocknung zu sehen ist entschied ich mich gleich dafür, diesen Gelbton mithilfe von Eisenwasser nachzubeizen.

So erhielt ich ein kräftiges warmerdiges Grün, mit dem ich sehr glücklich bin. Auf dem Bild ist links vom Efeu zu erkennen, dass auch die ungebeizten Fasern die Farbe gut aufgenommen haben ( evtl. wegen der vielen enthaltenen Saponine?) Über die Farbechtheit kann ich noch nichts sagen. Rechts vom Efeu sieht man die farblich intensiver strahlenden Ergebnisse auf gebeizter Wolle, ohne und mit Nachbehandlung. Ich werde diese Wolle zum Figuren gestalten ( trocken) für meine Erzählkränze verwenden.

Gerne lege ich euch – Werbung ganz ohne Bezahlung- das Buch “ Natürlich Färben mit Pflanzen“ von Franziska Ebner und Romana Hasenöhrl ans Herz. Hier finden Anfängerinnen gute Anregungen und generelle Einordnungshilfen- ein buntes Buch voller Anfänge, ohne zu überfordern.

Ein Besuch bei Anke Culemann auf ihrem Blog wollenaturfarben lässt einen ins Staunen versinken ob der Fülle der Pflanzen- und Faservielfalt und ihres Wissens.

Das sind zwei ganz persönliche Tipps – bleibt neugierig.

Wildwuchs

Ein Rotkehlchen Nest – geschützt in der alten heugefüllten Sandmuschel am Boden im Schuppen. Zuerst bin ich erschrocken – ein dunkler Fleck, eine diffuse Bewegung, als ich nach längerer Zeit mal wieder die Türe öffnete.

Dann aber recht bald Entzücken und Rückzug. Nun ist das Nest bereits leer und einige Hüpferlinge waren im Garten zu sehen.

Wir füttern die Vögel das ganze Jahr über. Gerade jetzt in der Brutsaison stehen Weichfutter und Erdnüsse bereit, um die gestressten Altvögel während der Brut- und Aufzuchtphase bei Kräften zu halten und es ihnen zu erleichtern, die Insekten, die sie finden ihren Kleinen füttern zu können. So brüten hier neben Rotkehlchen u. a. auch Amseln, Spatzen, Meisen, Stare und Mönchsgrasmücken. Am Vogelhaus sind zudem Kleiber, Specht, Buchfink und Goldammer regelmäßig zu Gast.

Aber auch anderen Besuchern gefällt das Take-away ausgesprochen gut

Jeden Tag schaue ich dankbar dem bunten Treiben da draußen vor den Fenstern zu. Ich erlebe, wie sich verschiedene Tiere in unserer unmittelbaren Umgebung beheimaten und ihren Nachwuchs aufziehen. Ich bemerke, wie neue Pflanzen in unseren Wiesen Einzug halten, manche, um zu bleiben, manche, um nach einer Saison wieder zu verschwinden, um andernorts Wurzeln zu schlagen. Ich höre im Morgen- und Abendgrauen die verschiedensten Vögel, ihre Rufe und ihre Lieder und bin eifrig daran, sie zuordnen zu lernen.

Und mag auch nicht jedem der Wildwuchs, die dichten Hecken, die blühenden Wiesen oder mittlerweile ziemlich hohen, schattenspendenden Bäume in unserem Garten gefallen – die Steinhaufen, das Astgewirr, die Totholzhaufen, alte Baumstämme, Brenn- und Taubnesselecken oder so einige unaufgeräumte, halb vergessene Stellen wie die alte Heu gefüllte Sandmuschel im Stadel:

Wir sind glücklich, zumindest ein bisschen zu teilen und selbst Teil zu sein

Es ist das, was mir die täglichen Farben und Formen schenkt

Es ist, was mich beflügelt und erhält

Regionale Wolle Teil 2

Hier eine minikleine Portion Wolle so, wie sie aus dem Schursack kommt – sie war wirklich nicht allzu dreckig. Und doch ist es unglaublich, welche Verwandlung die Fasern machen. Ich zeige das einfach mal wieder hier ( in Bildern von Kleinstmengen – gewaschen habe ich 4 gut aussortierte Vliese in Rhönschafgröße). Ich hoffe, auch neuen Leserinnen einen kleinen Einblick in die Urbarmachung von Wolle zu geben, die wenig bis gar nichts mit den maschinell aufbereiteten schreiend bunten Wollfluffeln zu tun hat, die der Billigbastelhandel unter dem Namen Zauberwolle grammweise in feinem Plastik verpackt unters Volk schmeißt ( ich spreche hier ausdrücklich NICHT von den allseits bekannten deutschen und österreichischen Wollhändlern und andere professionelle europäische Wollversänden!!! ) Mein Beitrag kann den Prozess allerdings nur zusammenfassend beschreiben. Jeder Schritt hat seine eigene kleine Welt der Erfahrung und des Lernens und ist es wert, selbst gegangen zu werden.

Nach einem 1 Tagesbad ( sh. voriger Beitrag) mit etwas Soda und einem zwei- dreimaligen Wasseraustausch sah es nach dem 3 tägigen Trocknen mit wiederholtem Umschichten und Drehen dann etwa so aus

Ich hatte das Vlies bereits vor dem Waschen zerrissen – sprich: ich hatte die Fasern, die durch das Wollfett, Dreck und auch etwas Verfilzung richtig zusammengehockt waren zwischen den Händen mit Hilfe meiner Finger, die ich wie einen Reisswolf verwendet habe, aufgelockert und auseinandergerissen – portionsweise und insgesamt stundenlang. Der Grund: dadurch lösen sich bereits einige Verschmutzungen und Vegetabilen fallen zu Boden. Die Fasern werden aufgelockert und werden beim Einweichen besser und schneller sauber. Diese Arbeit übernimmt bei der maschinellen Säuberung von Wollfasern der Wolf – und ehrlich: nach 3 Vliesen hatte ich mir auch den Wolf gerissen. Diesen Vorgang habe ich nach Trocknung der Fasern wiederholt. Dadurch verabschieden sich erneut viele Grasreste und ähnliches, was auch nach meiner Wollwäsche noch hartnäckig in die Fasern verhakt war. Ergebnis waren nun duftige wollweisse Wollwolken

Immer wenn ich mal soweit bin freu ich mich erstmal so richtig und verspüre eine tiefe Verbundenheit zu diesem meinem Handwerksmaterial.

Was bei mir bei ( fast – Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel) keinem Vlies fehlt ist eine Filzprobe, um die Filzeigenschaften der Wolle zu testen. Dazu schaue ich mir gerne auch die Faserlänge und die Faserbeschaffenheit an. Da es sich bei dieser Wolle nicht um die eines reinrassigen Herdbuchtieres handelt macht es für mich wenig Sinn, die Erkenntnisse zu katalogisieren. Aber: ich kann ja meine Erkenntnisse für die nun vorhandene Wolle schöpfen, also mal erneut schnell einen Blick drauf werfen

Entschuldigt – mein Maßband war verschollen… Aber die Faserlänge kann man in diesem Vergleich fast besser einschätzen. Interessant zu wissen ist vielleicht, dass sich im Vlies eines Tieres sehr verschiedene Fasern befinden können – je nachdem wo sie sich befinden. Als nur ein Beispiel folgendes Bild

Gleiches Tier – andere Länge und auch Beschaffenheit. Die kleinen feineren Löckchen befinden sich meist an der Stirn oder an den Backen. Bereits beim Vorsortieren vor dem Waschen zerreisse ich solche meist kleinen, interessanten Stücke nicht sondern wasche sie vorsichtig im Verbund.

Erst nach dem Trocknen ziehe ich vorsichtig einzelne Löckchen aus dem Faserverbund, indem ich sie unterhalb der Spitze mit Daumen und Zeigefinger packe, die Wollportion mit der anderen Hand locker festhalten und dann ziehe.

Diese Locken verwende ich gesondert weiter- für Figurenhaare z. B. In kleine Portionen gepackt warten sie dann erstmal aufs Färben.

Frische vorbereitete Lockenbündel neben bereits pflanzengefärbten Skuddenfasern

Ganz anders gehe ich vor, wenn ich längere und auch wertvollere Locken zu waschen habe. Dazu gerne ein anderes Mal mehr.

Nun aber zur Filzprobe. Übrigens ließe sich die natürlich auch aus der ungewaschenen Wolle machen – drinnen verzichte ich allerdings ganz gern darauf… Mit den Handkarden kämme ich mir die Fasern zurecht, so kann ich diese regelmäßiger auflegen ( natürlich kann auch direkt aus der gerissenen Faser gelegt werden – ich kämme meist nur für die Probe)

Nach Auslage einer Fläche in zwei Lagen filze ich nun so lange, bis sich nichts mehr an Schrumpfung tut.

Das Ergebnis hier war überraschend. Die langfasrige gut strohige Wolle erweist sich als mittelmäßig bis gut filzfreudig. Sie schließt schnell, ihr Verbund ist dicht. Der fertige Filz bleibt trotz ordentlicher Schrumpfung recht weich.

Bei einer Probekugel mit einer groben Filznadel komme ich sehr schnell zu einem sehr stabilen Ergebnis beim Nadelfilzen, ausserdem gefällt mir die leicht gewellte Optik der Fasern sehr gut. Also beschließe ich ohne großes Federlesen einen Teil der Wolle für Zwerge und Wiesen in Grüntönen zu färben – ab damit in den Topf.

Party time!

Eine sehr schnelle Möglichkeit Fasern im Topf zu färben ist das Aufbrauchen sämtlicher auch älterer Seidenmalfarbreste der Mama oder Freundin – viele Leute verkaufen die Reste ihres ehemaligen Hobbies auch für kleinstes Geld. Nehmt, was ihr kriegen könnt – damit arbeitet ihr zum einen sehr schnell und sicher ( kein Anrühren von Pulver notwendig) und ressourcenschonend ( es gibt viel zu viel alte Farbflaschen in Regalen und Schränken…). Wenn ihr beim Mischen ein bisschen auf den Farbkreis achtet kann auch bei gruseligen Farbtönen nichts schief gehen. Und wenn ihr genug Färbematerial sprich Wolle habt könnt ihr die Farbe nach Gusto verteilen und so lange Wolle nachlegen, bis das Wasser klar ist ( sollte der nach dem ersten Färbevorgang noch farbig sein)

Ich habe 2x nachgelegt, sowohl Flocke als auch ein älteres kardiertes Stück Bergschaf.

Ich denke, den ungefärbten Rest werde ich zum Trockenfilzen und Stopfen verwenden. Dazu zeige ich im nächsten Beitrag mal ein Beispiel. Ich hab nun einen sehr großen Vorrat davon – vielleicht begegnet euch diese Wolle ja auch an einem Kursabend, wenn es wieder soweit ist…

Blätterrauschen

Im Spätsommer kann ich gar nicht anders als mit meinem Körbchen durch die Wälder und Wiesen zu streifen und mir frisches Druckmaterial zu pflücken – in dieser Runde habe ich endlich auch mal mit einem kleinen Musterbuch angefangen – das wurde aber auch mal Zeit…..

Dieses Jahr haben es mir die neben den Storchenschnabelgewächsen die verschiedenen verfügbaren Ahornsorten angetan – zumal in Nachbars Garten so viele verschiedene davon wachsen und die mir von dunkelst blau über grün, rot und pink alles zeigt!

Ich behandle bis jetzt alle Stoffe mit einem Eisen-Essigbad vor  (für eine köchelnde Alaunbeize fehlt mir meist die Geduld) – danach drücke ich sie gut über der Schüssel aus und spüle sie in einer anderen Wanne mit Wasser aus. Das Eisen hat seine Schuldigkeit im Stoff ja schon getan – sonst landet all zu viel davon anschliessend im Topf und die Drucke werden mir zu dunkel. Andere entwickeln mit dem Eisenbad  nur weiter und benutzen es nicht als Vorbeize …

Manchmal tauche ich auch nur die frischen Blätter oder anderes Druckgut ins Eisenwasser und platziere es auf dem feuchten aber unvorbehandelten Stoff. Manchmal verwende ich gepresste Pflanzen, die ich kurz in warmen Wasser mit einem Minispritzer Spülmittel wieder weich werden lasse, so dass sie beim Rollen nicht brechen. Ich habe aber auch gelernt, dass es manchen Blättern (bzw. ihren Drucken) gut tut, eine Weile  (oder sogar eine Woche oder  auch viel länger) lang in Wasser eingeweicht zu werden um exaktere Drucke zu bekommen und ein Auslaufen der Farbe zu verhindern bzw. zu vermindern…unterschiedliche Ergebnisse erhalte ich wenn diese Pflanzen in unterschiedlichen Gefäßen ( Eisen, Plastik, Kupfer) eingeweicht waren.

Manchmal weiche ich auch kopfüber getrocknete Pflanzen ein (wie z.B. den hier auch verwendeten Eucalyptus – die eine Sorte ist schon 6 Jahre alt!!!).

Je nach Pflanze komme ich hier zu unterschiedlichen Ergebnissen, die ich nicht immer kategorisiere… aber immer mehr Erfahrung daraus sammle.

Natürlich hängt es auch von den Stoffen ab, wie sich die Drucke letztendlich zeigen ( Pflanzliche Herkunft wie Baumwolle oder doch tierischen Ursprungs wie Seide oder Wolle – aber auch Feinheit, Webart, Alter…) – so ist vom fotorealistischen Bild auf Ponge5 bis zu aquarellartigen Anmutungen auf Batist alles dabei.

Auch wanderten verschiedene Kleidungsstücke in den Topf – als Bündel, Rolle oder auch zwischen Brettchen geklemmt.

Im Topf selber setzte ich verschiedene Farben an – aus Eucalyptus“abfall“ ( aus Südfrankreich) oder Zwiebelschalen (original bavarian). Zusätzlich zu den Drucken entstanden so durch Faltungen und Abbindungen Shibori-Effekte.

Aber auch klassische Wollfärbepflanzen wie z.B. Schilfblüten von den Donauwegen lieferten passable Drucke – in wunderschönem dunkelgrün ( mit Eisenvorbad)

Neu für mich wird nun die Vorbehandlung der Stoffe mit Kaltbeize sein – einer Aluminiumacetatbeize. Viele Pflanzenfärber arbeiten mit dieser Art der Beize, da sie sehr ergiebig, unkompliziert in der Anwendung und auch in ihrer Entsorgung ist. Mal sehen wohin mich diese Stoffvorbereitung führen wird. Das einsatzbereite Pulver liegt schon einige Zeit im Färbekeller und wartet….

Und ich bin gespannt – man kann noch so viel lesen darüber, wer wie wann wo was macht :

SELBER ausprobieren – tüfteln – experimentieren – Mißerfolge einstecken – Überraschungen erleben – weiterforschen

Stück für Stück – Pflanze für Pflanze – Jahr für Jahr

und immer wieder staunen….

abgesang

war er das wirklich? dieser wunderbar warme, nach laub und sonne duftende herbst? ein tag gefüllt mit ruhiger aktivität in haus und hof, immer im wissen um die vergänglichkeit dieser geschenkten sonnenstunden.

so tauchten im laufe dieses tages auch lang vermisste oder gar vergessene schätze in mittlerweile laubarmen sträuchern und rangen auf – neben 12 bällen aller art pflückte ich in tiefen der wiese ein paar blättchen – esskastanie, walnuß, eiche, rainfarn und heckenrose

auch die birkenblätter vom letzten waldspaziergang, der uns am ufer eines wasserspeichers an einer art birkenschösslingmassaker vorüberführte (die werksbetreiber verstehen da anscheinend keinen spaß) trockneten gerade in der sonne. ebenfalls „auferstanden aus ruinen“ fand sich ein eimer, angefüllt mit regenwasser und dem schöpflöffel meiner großtante –

ich könnte ja behaupten, das war geplant – so aber wurde diese eisenbeize eine gefundene grundlage für einen sonnenuntergangsecoprint auf vorgefärbten seidenbahnen – als abbindeschnüre dienten ebenfalls eingesammelte heuballenverschnürungen aus der winterfütterung – eine wunderbar ungeplante färbung nahm seinen lauf

und so konnte ich alsbald die farben des tages spülen und schleudern – sie trockneten tatsächlich noch im abendwind, im beginnenden sternengefunkel. ein bisschen wie eingefangene zeit, dieser stoff – schön.

 

löwenzahnphilosophie

die weidewiesen sind bereits wieder ein meer duftiger samenstände – vor 3 wochen allerdings packte ich die gelegenheit beim schopfe, mal wieder etwas auszuprobieren

ca. 1,2 kg löwenzahnblüten wanderten in den topf – nicht zur sirupherstellung, nein – zum färben. und da ich für alles mit kurzen wegen, wenig zusatzstoffen (alaunbeizung des färbeguts) und nachwachsenden rohstoffen zu begeistern bin ist es dieses jahr der löwenzahn, der auf seine verwendung überprüft wurde.

nach einiger köchelzeit der blüten seihte ich diese ab und färbte vorbereitetes dochtgarn, kammzug und seidenstrang – ca. 2 stunden auf köchelnden 90 grad.

mit meinem gußeisernen superoberflohmarktfundsieblöffel (durchmesser ca. 30cm – wahrscheinlich ein kraut- oder doch ein blutwurst (brrr…) schöpfer?) fischte ich nach dem schatz im goldsee – heraus kam (im sonnenlicht schwerlich erkennbar) eine heimelige warme gelbfärbung

die für die nächsten wickeleien gleich verwandt wurde.

quietschigbunter ging es da schon bei den kindern zu, die sich mit mir den schafen, deren wolle und auch dem filzhandwerk näherten – am maifest an der theodor-eckert-schule entstanden filzige stifte, die das mäppchen etwas aufpimpen werden

sowohl 4. als auch 2. klässler hatten ihren spaß – und auch die lehrerinnen konnten sich nicht zurückhalten – wie schön!

einige tage später filzten 6.-klässler sternenschalen für kleinigkeiten oder auch für die träume der letzten nacht  –

das farbspiel der melierungen, die während des filzprozess entstehen begeisterte die mädchen und spornte an, durch immer kräftig werdendes walken die schalen bis zum ende zu formen. auch ich bin immer wieder gefangen, wie diese einfache form durch sorgfältiges arbeiten ihren zauber verbreitet – die lange arbeit ist diesem bild aber auch anzusehen.

in der lebenshilfe filzten wir herzen, die den teilnehmern das herz und den mund öffneten – sovieles bewegendes kam in diesen stunden zur sprache, dass es mir die sprache kurzzeitig verschlug – ungewöhnlich und heilsam.

viele handgriffe und viel zeit ist nötig, um dem löwenzahn oder anderen pflanzen ihre farbe zu entlocken. auch wenn der vorgang bekannt ist, ist es doch jedesmal eine neue erfahrung, die da gedeiht. in der kursarbeit mit so vielen verschiedenen menschen ist es ähnlich – das weitergeben, wie kleine schritte und beständiges arbeiten zum ziel führen, wie „fehler“ kreative umwege erschliessen, wie geduld rosen bringt – und die freude, wenn das ergebnis dann in der hand liegt – ist jedesmal eine – meine – neue freude.

kuschelfaktor

jetzt kann selbst ich als ignorante sommerverfechterin und melancholische herbstlüftchenliebhaberin die feuchte morgenkälte nicht mehr schön reden… zeit für warm am arm!

 mummelige schals und kuschelige stulpen gefilzt aus handgefärbter feinster merino und etamin oder verschiedenen seiden sind ab dieser woche im laden kunst und handwerk regional in deggendorf zu finden. es lohnt sich, immer wieder vorbei zu schauen, denn das sortiment variiert von woche zu woche. und sollten spezielle farbwünsche vorhanden sein – noch sind die farbtöpfe nicht eingefroren – die hauchzarte schicht am morgen auf der wasseroberfläche ist bestimmt komplette einbildung  – ODER???!

walnuss

mmmmh – das riecht mir gut….! wirklich – ich mag den geruch des walnusssuds und beim färben  damit bin ich gar nicht zimperlich. die kleinen abgefallenen nüsschen des vorjahres, in massen gesammelt und dann erst mal auf eis gelegt – heute einfach schockgetaut mit kochendem wasser und rein damit! das häßliche pink dieses schals ist bald schon hoffentlich geschichte –

diesen hier habe ich nach einer färbenacht heute morgen gespült und getrocknet.

walnussgefärbte seide ohne vorbeize filzte ich bereits im april mit einem entsprechend großem stück weißen chiffon zusammen – dazwischen ranken feinster merino und einige ausgeschnittene seidenblätter in hellem grün. anschließend dämpfte ich birkenblätter darin – alles in allem eine recht blasse angelegenheit – eher nude-look ….und das mir, die ich farben doch so liebe…

also nach einigen monaten des hin- und herräumens dieses doch recht langen und breiten und anschmiegsamen stückes rein ins walnussschockbad – zumindest zum teil und nur schnell mit zwingen/klammern präpariert.

wolle, chiffon, pongee – jede schien eine andere farbnuance dieser pflanze anzunehmen – von grün über hell-und tiefbraun bis zu hautfarben ist jetzt alles dabei

nun wird er nicht mehr hin- und hergeschichtet – jetzt ist er fertig und darf getrocknet und gebügelt zu den anderen schals für markt und laden – denn: gut ding will weile haben – und manchmal eben auch walnuss

 

hinaus!

sovieles zu entdecken gibt es – pausenlos, immerzu… es lohnt sich, genau zu schauen, im kleinen und kleinsten…

so bin ich denn auch viel unterwegs auf der wiese und am wald, um z.b. nach blättchen zu suchen, ich kann gar nicht anders. da ich sowieso vom typ sachensucher bin, bin ich eigentlich nie gelangweilt, denn ich finde immer irgendwas interessantes – so auch im urlaub.

bei flirrender hitze machte ich mich auf in die olivenhaine, um zerreiche, steineiche, lorbeer und anderes laub zu sammeln – getrocknet und gepresst kam es nun zum einsatz – gemeinsam mit meinen eigenen wiesen- und gartenschätzen: walnuss, eiche, birke, heckenrose, rainfarn und färberkamille.

etamin, baumwollgaze, käseleinen, verschiedene seiden und auch baumwollmousseline – alles belegte ich im rhythmus des windes, im zirpgesang der heuhüpfer, im zufriedenen schafsgeblöcke, im wechsel der wolken und der sonne mitten auf der wiese. fast wollte ich nicht mehr aufhören –

das rollenzubinden allerdings  (v.a. bei den dickeren stoffen, die ich – ja, ich gebe es zu – sehr lang gewählt habe…) gab meinen fingern dann doch den rest – aber ich sehe  auf wunderbare tücher, rieche die kraft der gerbsäure und den feinherben duft des rainfarn, meiner lieblingswiesenfärbepflanze. seht ihr die struktur des gefiederten blatts und die dolde?

ich konnte es mir nicht ganz verkneifen, ein paar krümelchen krapp musste ich einfach daraufstreuen;  ein bisschen kam ich mir dabei vor wie ein koch – ein bisschen krapp, ein bisschen birkenbrösel von letztem jahr, die ich nicht wegschmeißen wollte und: war da nicht noch blauholz vom eierfärben übrig? ja – nur das war mir im endeffekt doch zuviel blau….

also: doch beim eigenen färbegut bleiben und beobachten wie drei mal walnuss auf etamin dreimal anders färbt –

auffällig auch, wie stark die zerreichenblätter ihre farben spendeten – und die blattform so bizarr

wie auch bei anderen abbindefärbungstechniken: je gröber der stoff/je lockerer gewebt desto diffuser der druck. auf etamin eine wahre pracht, auf seide ist es mir fast zu stempelig, so exakt sind die drucke. was ich wohl damit anstellen werde? filzen? nähen?weiter färben? …der dunkle winter wird es mir zeigen!

für heute schließe ich die tür. doch sobald die risse in den fingern (vom schnüre anziehen) verheilt sind….die schätze  winken herein – schau hinaus und lass dich begeistern!

 

allerlei

ein buntes sammelsurium von vorbereitung und abschluß, ausdruck und eindruck, erlebnis und innenhalten. einen schönen bericht zum filzertreffen in grainau findet ihr bei anja

frohe ostern!