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really roaring

gotländisches pelzschaf – aus dem urzustand der rohwolle zum kragen gefilzt.

warum vom toten tier, wenn das lebende so freigiebig sein kleid spendet? warum rohwolle wegwerfen, wenn, nach harter schmutziger arbeit, ihre schönheit schmücken kann?

eins

eigentlich will ich meine linke hand schonen – sie kommt nicht wirklich in die gänge. kleinen spielereien kann ich dennoch nicht widerstehen

es ist wie malen – mit leinen, seide, wolle, garnen –

eins kommt zum anderen, drunter und drüber, verbindungen entstehen. am ende steht ein kleines, überschaubares sinnvolles ganzes, das aus vielem eins macht. welch schöner vorsatz für 2013!

januarschaf

dieses jahr werden euch meine „schafe des monats“ begleiten. soviele nachbarn und bekannte haben die unterschiedlichsten schäfchen, gerne halte ich auch am wegesrand an, wenn dort eine herde friedlich grast, um zu erkunden, ob die wolle vielleicht für mich interessant sein könnte – zumindest die tiere sind es für mich immer. diese kuscheligen nachbarn möchte ich euch jeden monat zeigen – vielleicht bekommt die ein oder andere lust, selbst mal die augen offen zu halten nach neuen wollquellen (warum immer in die ferne schweifen wenn das gute liegt so nah…)

darf ich vorstellen: der monat januar und somit mrs und miss january: erika und molli, ihres zeichens gute und umgängliche niederbayerische waldschafe, beheimatet bei connie (klick) , in deren glaswerkstatt die beiden direkte einsicht haben .

ursprünglich stammt das waldschaf aus dem gebiet mühl- und waldviertel (daher auch der name) ,  beheimatet war es v.a. auch im böhmischen und bayrischen wald, also  im grenzgebiet zwischen deutschland, österreich und tschechien. die rasse geht auf das inzwischen ausgestorbenen europäischen urschaf, das zaupelschaf zurück.  förderprogramme versuchen, das waldschaf (seit den 80gern anerkannte rasse) in den ursprungsgebieten wieder anzusiedeln. man geht von einem bestand von ca. 1700 tieren in deutschland aus.

für den faserfreund interessant ist die feinheit der wollfaser, kann sie so doch für verschiedene filzprojekte gezielt verwandt werden. diese wird in mikron (tausendstel millimeter) gemessen. je höher der mikronwert, desto gröber ist die faser. ein durchschnittliches menschenhaar hat 60-80mic.

die wolle des waldschafes bewegt sich im bereich zwischen 35-40 micron, also eine sehr grobe wolle. in der verarbeitung, v.a. im kardierprozess empfand ich die wolle als sehr hart, grannig und langfasrig, beim filzen blieb trotz intensiver bearbeitung recht viel luft im verbund. gute ergebnisse habe ich gemacht, als ich für ein sitzkissen waldschaf mit deutschem merino gemischt habe. so entstand die nötige dichte und der charakter der groben waldschafwolle  (dem steinschaf sehr ähnlich) blieb prima erhalten, da die merino quasi als feinfasriger kitt fungierte und schön in die lücken rutschte.

erika und molly wird das weniger interessieren – nachdem ich ihren stall verließ, haben sie sich unverzüglich ihrer winterlieblingstätigkeit gewidmet: fressen.

 

 

sommerdämmerung

wenn die nebel ziehen und am frühen morgen aus den donauniederungen aufsteigen, wenn die luft feuchtfrisch in die zimmer weht, wenn die kreuzspinnen ihre vor tautropfen glitzernden netze nicht länger vor neugierigen augen verstecken können, dann ist er da, der herbst.

und mit ihm die letzten sonnentage, die es zulassen, die gesammelten schurschätze endgültig urbar zu machen – so verbrachte ich viele stunden mit aussortieren, waschen, lockern, trocknen.

karamellfarbenes und dunkelbraunes, fast schwarzes bergschaf (danke! das paket ist angekommen!), ouessant in schwarz, braun und grau und heidschnucke in weiß und grau – die kisten füllen sich mit leise duftenden wollwolken und das ist ein gutes gefühl! ebenso waren bereits einige menschen bei mir, die ungewaschene wolle erbaten, um die tannen oder obstbäume winterfest und rehsicher zu machen – der verbiß läßt nach, sobald das reh auf wolle beißt (oder sie riecht?) – was für eine gute möglichkeit, auch die bauchwolle zu verwenden.

der blätterdruck ließ mich nicht los, so entstanden z.b. einige baumwoll-loops. und endlich traute ich mich, einen bedruckten etamin einzufilzen – nur am rand in rauchblau, stimmig zu den blauholztönen der färbung –

und siehe da: der print wurde leicht schwächer, die farben und formen aber blieben erhalten. wahrscheinlich ist es dennoch ratsamer erst zu filzen und dann zu drucken – das schont die nerven – ein versuch war es aber völlig wert.

und was ist das???!

ja – das sind die neuen räume der werkstatt augentrost – mitten in der deggendorfer innenstadt. schon in 10 tagen wird dort der erste kurstag stattfinden – einiges sucht noch seinen platz. ich kenne hier mittlerweile jedes knarzende brett, jede schiefe wand, jede alte tür – sie alle erzählen geschichten von früher, als hier geschneidert, gelacht, gelebt wurde in diesem gut hundert jahre alten haus – und ich fühle mich mitten drin und warm.

 

 

hinaus!

sovieles zu entdecken gibt es – pausenlos, immerzu… es lohnt sich, genau zu schauen, im kleinen und kleinsten…

so bin ich denn auch viel unterwegs auf der wiese und am wald, um z.b. nach blättchen zu suchen, ich kann gar nicht anders. da ich sowieso vom typ sachensucher bin, bin ich eigentlich nie gelangweilt, denn ich finde immer irgendwas interessantes – so auch im urlaub.

bei flirrender hitze machte ich mich auf in die olivenhaine, um zerreiche, steineiche, lorbeer und anderes laub zu sammeln – getrocknet und gepresst kam es nun zum einsatz – gemeinsam mit meinen eigenen wiesen- und gartenschätzen: walnuss, eiche, birke, heckenrose, rainfarn und färberkamille.

etamin, baumwollgaze, käseleinen, verschiedene seiden und auch baumwollmousseline – alles belegte ich im rhythmus des windes, im zirpgesang der heuhüpfer, im zufriedenen schafsgeblöcke, im wechsel der wolken und der sonne mitten auf der wiese. fast wollte ich nicht mehr aufhören –

das rollenzubinden allerdings  (v.a. bei den dickeren stoffen, die ich – ja, ich gebe es zu – sehr lang gewählt habe…) gab meinen fingern dann doch den rest – aber ich sehe  auf wunderbare tücher, rieche die kraft der gerbsäure und den feinherben duft des rainfarn, meiner lieblingswiesenfärbepflanze. seht ihr die struktur des gefiederten blatts und die dolde?

ich konnte es mir nicht ganz verkneifen, ein paar krümelchen krapp musste ich einfach daraufstreuen;  ein bisschen kam ich mir dabei vor wie ein koch – ein bisschen krapp, ein bisschen birkenbrösel von letztem jahr, die ich nicht wegschmeißen wollte und: war da nicht noch blauholz vom eierfärben übrig? ja – nur das war mir im endeffekt doch zuviel blau….

also: doch beim eigenen färbegut bleiben und beobachten wie drei mal walnuss auf etamin dreimal anders färbt –

auffällig auch, wie stark die zerreichenblätter ihre farben spendeten – und die blattform so bizarr

wie auch bei anderen abbindefärbungstechniken: je gröber der stoff/je lockerer gewebt desto diffuser der druck. auf etamin eine wahre pracht, auf seide ist es mir fast zu stempelig, so exakt sind die drucke. was ich wohl damit anstellen werde? filzen? nähen?weiter färben? …der dunkle winter wird es mir zeigen!

für heute schließe ich die tür. doch sobald die risse in den fingern (vom schnüre anziehen) verheilt sind….die schätze  winken herein – schau hinaus und lass dich begeistern!

 

schurschätze

es ist wunderbar, was in den letzten wochen so alles bei mir eintrudelt… manche nachbarn bemerken den odeur, der sich im aussenbereich manifestiert hat – sind aber milde und eher fröhlich erstaunt über meine immer wieder neu entfachte begeisterung. diese wolle kam gerade, es ist frisches ouessant – hier findet ihr die früheren träger.

säckeweise hornlose heidschnucke durfte ich mir bei der chefin meines lieblingsbauernmarktstandes abholen – die schäfis weideten derweil auf einer weiten baumbestückten wiese und schienen komplett uninteressiert an ihrer früheren haarpracht.

angesichts der mengen (das ist nur knapp die hälfte) kam ich daheim doch ganz schön ins schwitzen – stammten die vliese doch von glücklichen schafen, dementsprechend viel botanik gab es in der unterwolle zu entdecken. also sortierte ich nach kompletter trocknung (ja – nur trockene schafe sind gute schafe, diese waren bei der schur regenfeucht) großzügig aus. ganz konnte ich mich aber wiederum auch nicht vom ausschuß trennen, also zog ich auch hier die schönsten strähnen heraus

– wer kann sowas auch wegschmeißen…ebenso verfuhr ich mit einer ladung gotländischem pelzschaf – leider befanden sich soviele vegetabilen in den locken und der unterwolle, das ich nach ca. 2 stunden sortieren aufgab und doch schon mal eine ladung wusch

den großteil der anderen, grauen lieferung verarbeitete ich IN ein kissen, die nerven- und zeitaufwändige frucht vieler zupferei darauf

und fügte es meiner rohwollkissensammlung bei. auch für die schnuckenwollspenderin (bzw, deren besitzerin…) filzte ich ein schnuckenkissen für mußestunden im freien

den enthaltenen pflanzenteilen rückte  ich dieses mal mit einer minidrahtbürste zuleibe. eigentlich dachte ich, dass ich diese puscheloptik nicht mag, die meisten „verpflanzungen“ lösten sich allerdings prima (striegelzeit bestimmt 30 minuten) – und so lösten sich auch die meisten der haare, die durch fehlende unterwolle nicht stabil festgefilzt waren – zurück blieb ein wirklich weißes, weiches ( und das bei heidschnucke!) wohliges kissen, das nur noch entfernt nach schäfchen duftete. auf dem bild sieht man sehr gut, dass ich die wolle von zwei verschiedenen körperpartien verwendet habe – oben nacken/schulter – unten flanke.

on the rocks

..ja, ja, die erdbeerzeit beginnt, die erste ernte findet bereits ihren weg an frühlingsbereite ohren…gerade eher ein strawberry margeritha on the rocks…

während die kleinen meisen sich emsig die bäuche vollschlagen solange die sonne den schnee zum tauen bringt, um die dunkle nachtgefrörne heil und kugelig zu überstehen, widme ich mich weiter meinem lieblingstier des monats.

 

wohlig weich und trotzdem ein hauch ist dieser schalkragen- 22 kategorisierte  alpakafarben, die unter anderem so wunderbare namen haben wie  light champagne, champagne, latte, light fawn, silver grey, light rose grey… nur um einige zu nennen, gibt es mit zig zwischentönen und meine begeisterung für die naturfarben hat mich mal wieder voll im griff.

aber auch gefärbt macht alpaka einen guten eindruck  – die wolle verliert nichts von ihrem glanz und die verschiedenen farbnuancen malen eine lebendige oberfläche, am liebsten gerade hauchzart ausgelegt.

hier habe ich zusätzlich ein paar tussaseidefasern in ähnlichen tönen eingearbeitet – den fertigen schal ein anderes mal.

und doch….

bin ich unwiderruflich nicht den edeltieren, sondern den ganz profanen schafis verfallen – meine allerliebste goldschmiedefreundin weiß das und hat mich adäquat ausgestattet – hier grast also eine silberne walliser schwarznase gemütlich auf einer steinschafwiese und harrt den lauer werdenden lüften – aber noch braucht sie ihre ach so schöne wolle selber….geduld!

filzen mit alpaka

das neue jahr bringt viele pläne, projekte und viel neugier – gerade widme ich mich immer wieder der interessanten alpakafaser und ihren filzeigenschaften. viel ist zu lesen über die eigenheiten  – zwischen 18-25 myc sollte sie haben, sie ist eine lanolinfreie hohlfaser und kann ganz unterschiedliche kräuselungen aufweisen – bei den huacayas viel und bei den suris kaum. im nassfilzbereich wird sie ansonsten wie schafwolle verarbeitet – ihr bekommt sie in der schurflocke, im vlies (eher selten – oft mit merino gemischt) und (rein) als kammzug. verschiedenste naturfarben finden sich bei den alpakas – die hauptfarben weiß, schwarz, grau, hell-und dunkelbraun, sowie gescheckt – alles ist vertreten.

auf den bildern seht ihr (wie schon öfter) die tiere von sonja schreiber . auf ihrem bayerwald-alpaka-hof werden auch in diesem jahr halbtages-und tagesfilzkurse unter der verwendung dieser hochwertigen faser stattfinden – wer interessiert ist an acccessoires für kopf, hals und hände ist dazu herzlich eingeladen , termine werden bald hier und bei sonja eingestellt.

die struktur von gefilztem alpaka ähnelt der von leicester und wensleydale – hier eine  kleine optische vergleichsanordnung:

alpaka 2lagig

alpaka 1lagig kreuzweise

alpaka 1lagig parallel – dazu im vergleich

leicester 1lagig parallel

und wensleydale 1lagig parallel gelegt – allerdings in haselnussbraun-grau.

und da proben ja immer auch gleich praxisgetestet werden müssen, filzte ich zwei paar stulpen

wobei man bei den (handgefärbten) grünen, welche auch mit mehr material, aber trotzdem 1lagig parallel gelegt wurden die charakteristische alpakaoberflächenstruktur mit den schläufchen und dem weichen langen flor sehr gut erkennen kann. im filzprozess greifen die fasern schnell (je feiner, desto schneller – also: je hochwertiger desto erfolgversprechender) – der entstandene filz ist flexibel, weich und anschmiegsam, dabei sehr stabil und formbar. außerdem, wie oben gezeigt, sehr strukturreich.

ihr seht – die aussichten sind gut, auch in diesem jahr immer neue türen zu öffnen um die sonne aufgehen zu sehen – das wünsche ich euch!

rohwollspielereien

 

darf ich vorstellen – madame mohair

monsieur gotland

und baby bergschaf

aus den säcken mit den schurschätzen…

auf einer unterlage aus stein-oder bergschaf  legte ich duftige (im wahrsten sinne des wortes) wolken verschiedener rohwollen – dabei habe ich sie kreuz und quer sich legen lassen wie sie wollten und nur partiell beim walken darauf geachtet, dass sich die lockenenden nicht alle in die tiefe graben, sondern sich nach oben strecken.

anders hier bei diesem kuschelsitz – hier wollte ich einen richtigen sitzpuschel erreichen. also wurden die rohwollfasern eine um die andere aufgestellt und vorsichtig angefilzt.

in der mitte seht ihr drysdale – eine schafrasse, die wohl erst in den 50gern in neuseeland gezüchtet wurde. die wollfasern sind sehr markhaltig, dadurch kräuselarm und ganz schön kratzig, fest und unglaublich lang – sie werden zur teppichherstellung genutzt.

die schwarzen locken um die mitte kommen von robinson, unserem ouessantböckchen – vorallem am hals trägt er wunderschönes, langes und leicht gelocktes fell – mit einer durchschnittlichen myc von 27 ist ouessantwolle erstaunlich weich.

die basis bildet hier steinschaf-lamm.

„und wann kommt der schafkönig, mama?“

 

dreh dich

 

dreh dich, rädchen…

…um ein fädchen spinnen zu können, muß die im sommer gewaschene wolle erstmal gekämmt werden- viele fleißige hände drehten abwechselnd die kurbel der kardiermaschine, zupften wollflocken auf, fütterten die rollen, sortierten heu und kletten aus,  bis jede gruppe ein feines waldschafvlies von der großen rolle abnehmen   

und stolz zur weiterverarbeitung bereit in ihre räume tragen konnte – gerne wurde zwischendurch, davor und danach auf den mitgebrachten ouessant und heidschnuckenvliesen gekuschelt – frisch von der diesjährigen schur ein wahrlich schafiges erlebnis!

ich selber freute mich nach getaner arbeit sehr auf eine kanne frisch aufgebrühten tee

oder auch zwei….

die hatte ich mir trotz der ständigen, eifrigen und tatkräftigen mithilfe von 20 kindern ehrlich verdient – …