Archive for the ‘materialkunde’ Category

babyalpaka

alpakababykragen probe senior

 

nein – das hier war mit sicherheit kein babyalpaka mehr – eher die oma, oder vielleicht doch die uroma…??

ein von einer lieben freundin geschenkter ganzer sack oma – alpakawolle…

nach dieser strukturreichen probe wußte ich immer noch nicht, was ich nun wirklich damit tun sollte. nach einigem hin und her entschloss ich mich, den sack zu entsanden – sprich die wolle zu schütteln und fortan als versandschutz zu verwenden. zumal alpaka ja kein wollfett enthält und dieses seniorendrahthaar auch sehr fusselarm ist. ..kaum war der entschluss getroffen bekam ich vom alpakahof schreiber zwei säcke mit absolut kuschelweicher babyalpakawolle – was für ein traum.

alpakababykragen wollealpakababykragen probe

und da mich die probe so unverschämt ankuschelte legte ich einen – vorerst kurzen – kragen aus.

alpakababykragen auslagen

nun – der boden (hier nach dem 2. (!) kehren) wurde zwar strapaziert, um die stärker in mitleidenschaftgezogenen rohwollfasern auszusortieren –

alpakababykragen bodenalpakababykragen nass

aber das ergebnis versöhnte mich absolut mit der kontemplativen zupfelarbeit beim legen und der vorsichtigen anfilzphase.

alpakababykragen 1alpakababykragen 2

kombiniert mit einer (von mir tatsächlich nicht oft verwandten) 16mic merino und einer ordentlichen portion tussaseidenfasern kann dieses stück klassisch als kragen

alpakababykragen 5

als halsnaher rollkragen

alpakababykragen 3alpakababykragen 4

oder wahlweise auch als cape -kragen getragen werden. und er ist so weich …..

alp3

und sie so süß…..!

 

 

 

jetzt gehts looos!

nach den sommermonaten öffne ich meine werkstatt wieder für das neue kursjahr – der morgige abend ist schon deslängeren ausgebucht, ihr habt aber bis april noch einige möglichkeiten, euch mit mir auf filzreise zu begeben.

so steht am 6. oktober die blätterranke auf dem programm

am 7.november werden wir kauzig, am 13. und 14. november schalig und am 2. dezember dann engelig…. und wer mit meinen beschreibungen nun etwas überfordert ist, sei herzlich HIERHER eingeladen – hier finden sich einige bildchen – eure ergebnisse können aber natürlich auch ganz anders aussehen!!

auch in hengersberg wird es in diesem herbst/winter einige filzkurse geben – schon am 29.9. werden wir pilzig, am 14.10 eulig

am 3.11. kartig und 12.12. wärmelig – nähere infos findet ihr hier oder direkt bei mechtild kapfinger in ihrem lädchen gARTen und art im helinger weg 8 in hengersberg.

ich freue mich auf viele bekannte und neue gesichter!

 

 

 

gartenfunde

man kann nicht sagen, dass uns die diversen spinner (also: die vierflügeligen, bzw. deren madenbabies) dieses jahr sehr viel übrig lassen. eichen, kastanien, birken, apfel, kirsche, alles durchlöchert – trotzdem wanderte heute beim garten- und wieseschlendern das ein oder andere ins körbchen und anschließend in die seide

was beim auspacken noch verheißungsvoll aussah, entpuppte bzw. entrollte sich heute jedoch nur schattenhaft – experimentiere ich doch immer wieder mit der art und der menge der vorbeize…heute wohl etwas zu sparsam dosiert. da die sich drucke ja beim filzen weiter verfremden und verwischen, habe ich gerne deutliche farbunterschiede zur grundfarbe. der ecoprint bricht die farbe der von mir mit säurefarben gefärbten stoffbahnen auf eine art, die so zufällig anmutet – natürlich haben auch die deutlichen abdrucke von blättern ihre faszination, muten sie doch wie fotodrucke an – mir gefällt (momentan) die eher ahnungsvolle, farbdurchwirkte  gestaltung der stoffe besser – die einer weiteren veränderung unterliegt, wenn diese danach noch eingefilzt werden.

zuverlässig drucken sich esskastanie

rainfarn (blüten und blätter)

und mein liebling, die walnuss ab.

gute drucke erhalte ich auch von rosengewächsen wie heckenrose, brombeere, himbeere, aber auch von eiche, birke, roter hartriegel und den blüten der färberkamille. auch einige kräuterpflanzen wie salbei finde ich sehr schön. gerne dazu ein anderes mal mehr. schwerer fällt es mir,neben den grünen und dunklen drucken braun-rote färbungen zu erzielen – ich arbeite viel nach dem prinzip try&error – aber bald werde ich mal einer fachfrau über die schulter schauen dürfen. pam de groot hält in 2 wochen in oberrot einen filz- und druckworkshop  – und ich freue mich riesig, dabei sein zu können.

ich liebe die spuren, die die pflanzen auf den verschiedenen stoffen hinterlassen, selbst der schlimm-mint-farbene baumwollbatist durchlief eine wandlung, wie ich sie nur bewundern kann – dabei habe ich außer einem dippbad in angesetzten windfall – walnüssen, einer leichten rostbeize und ein paar eingewickelten blättern und kräutern nichts getan, außer dem topf beim dampfen zuzusehen –

farbspuren eines julitages.

 

abgesang

war er das wirklich? dieser wunderbar warme, nach laub und sonne duftende herbst? ein tag gefüllt mit ruhiger aktivität in haus und hof, immer im wissen um die vergänglichkeit dieser geschenkten sonnenstunden.

so tauchten im laufe dieses tages auch lang vermisste oder gar vergessene schätze in mittlerweile laubarmen sträuchern und rangen auf – neben 12 bällen aller art pflückte ich in tiefen der wiese ein paar blättchen – esskastanie, walnuß, eiche, rainfarn und heckenrose

auch die birkenblätter vom letzten waldspaziergang, der uns am ufer eines wasserspeichers an einer art birkenschösslingmassaker vorüberführte (die werksbetreiber verstehen da anscheinend keinen spaß) trockneten gerade in der sonne. ebenfalls „auferstanden aus ruinen“ fand sich ein eimer, angefüllt mit regenwasser und dem schöpflöffel meiner großtante –

ich könnte ja behaupten, das war geplant – so aber wurde diese eisenbeize eine gefundene grundlage für einen sonnenuntergangsecoprint auf vorgefärbten seidenbahnen – als abbindeschnüre dienten ebenfalls eingesammelte heuballenverschnürungen aus der winterfütterung – eine wunderbar ungeplante färbung nahm seinen lauf

und so konnte ich alsbald die farben des tages spülen und schleudern – sie trockneten tatsächlich noch im abendwind, im beginnenden sternengefunkel. ein bisschen wie eingefangene zeit, dieser stoff – schön.

 

löwenzahnphilosophie

die weidewiesen sind bereits wieder ein meer duftiger samenstände – vor 3 wochen allerdings packte ich die gelegenheit beim schopfe, mal wieder etwas auszuprobieren

ca. 1,2 kg löwenzahnblüten wanderten in den topf – nicht zur sirupherstellung, nein – zum färben. und da ich für alles mit kurzen wegen, wenig zusatzstoffen (alaunbeizung des färbeguts) und nachwachsenden rohstoffen zu begeistern bin ist es dieses jahr der löwenzahn, der auf seine verwendung überprüft wurde.

nach einiger köchelzeit der blüten seihte ich diese ab und färbte vorbereitetes dochtgarn, kammzug und seidenstrang – ca. 2 stunden auf köchelnden 90 grad.

mit meinem gußeisernen superoberflohmarktfundsieblöffel (durchmesser ca. 30cm – wahrscheinlich ein kraut- oder doch ein blutwurst (brrr…) schöpfer?) fischte ich nach dem schatz im goldsee – heraus kam (im sonnenlicht schwerlich erkennbar) eine heimelige warme gelbfärbung

die für die nächsten wickeleien gleich verwandt wurde.

quietschigbunter ging es da schon bei den kindern zu, die sich mit mir den schafen, deren wolle und auch dem filzhandwerk näherten – am maifest an der theodor-eckert-schule entstanden filzige stifte, die das mäppchen etwas aufpimpen werden

sowohl 4. als auch 2. klässler hatten ihren spaß – und auch die lehrerinnen konnten sich nicht zurückhalten – wie schön!

einige tage später filzten 6.-klässler sternenschalen für kleinigkeiten oder auch für die träume der letzten nacht  –

das farbspiel der melierungen, die während des filzprozess entstehen begeisterte die mädchen und spornte an, durch immer kräftig werdendes walken die schalen bis zum ende zu formen. auch ich bin immer wieder gefangen, wie diese einfache form durch sorgfältiges arbeiten ihren zauber verbreitet – die lange arbeit ist diesem bild aber auch anzusehen.

in der lebenshilfe filzten wir herzen, die den teilnehmern das herz und den mund öffneten – sovieles bewegendes kam in diesen stunden zur sprache, dass es mir die sprache kurzzeitig verschlug – ungewöhnlich und heilsam.

viele handgriffe und viel zeit ist nötig, um dem löwenzahn oder anderen pflanzen ihre farbe zu entlocken. auch wenn der vorgang bekannt ist, ist es doch jedesmal eine neue erfahrung, die da gedeiht. in der kursarbeit mit so vielen verschiedenen menschen ist es ähnlich – das weitergeben, wie kleine schritte und beständiges arbeiten zum ziel führen, wie „fehler“ kreative umwege erschliessen, wie geduld rosen bringt – und die freude, wenn das ergebnis dann in der hand liegt – ist jedesmal eine – meine – neue freude.

really roaring

gotländisches pelzschaf – aus dem urzustand der rohwolle zum kragen gefilzt.

warum vom toten tier, wenn das lebende so freigiebig sein kleid spendet? warum rohwolle wegwerfen, wenn, nach harter schmutziger arbeit, ihre schönheit schmücken kann?

eins

eigentlich will ich meine linke hand schonen – sie kommt nicht wirklich in die gänge. kleinen spielereien kann ich dennoch nicht widerstehen

es ist wie malen – mit leinen, seide, wolle, garnen –

eins kommt zum anderen, drunter und drüber, verbindungen entstehen. am ende steht ein kleines, überschaubares sinnvolles ganzes, das aus vielem eins macht. welch schöner vorsatz für 2013!

januarschaf

dieses jahr werden euch meine „schafe des monats“ begleiten. soviele nachbarn und bekannte haben die unterschiedlichsten schäfchen, gerne halte ich auch am wegesrand an, wenn dort eine herde friedlich grast, um zu erkunden, ob die wolle vielleicht für mich interessant sein könnte – zumindest die tiere sind es für mich immer. diese kuscheligen nachbarn möchte ich euch jeden monat zeigen – vielleicht bekommt die ein oder andere lust, selbst mal die augen offen zu halten nach neuen wollquellen (warum immer in die ferne schweifen wenn das gute liegt so nah…)

darf ich vorstellen: der monat januar und somit mrs und miss january: erika und molli, ihres zeichens gute und umgängliche niederbayerische waldschafe, beheimatet bei connie (klick) , in deren glaswerkstatt die beiden direkte einsicht haben .

ursprünglich stammt das waldschaf aus dem gebiet mühl- und waldviertel (daher auch der name) ,  beheimatet war es v.a. auch im böhmischen und bayrischen wald, also  im grenzgebiet zwischen deutschland, österreich und tschechien. die rasse geht auf das inzwischen ausgestorbenen europäischen urschaf, das zaupelschaf zurück.  förderprogramme versuchen, das waldschaf (seit den 80gern anerkannte rasse) in den ursprungsgebieten wieder anzusiedeln. man geht von einem bestand von ca. 1700 tieren in deutschland aus.

für den faserfreund interessant ist die feinheit der wollfaser, kann sie so doch für verschiedene filzprojekte gezielt verwandt werden. diese wird in mikron (tausendstel millimeter) gemessen. je höher der mikronwert, desto gröber ist die faser. ein durchschnittliches menschenhaar hat 60-80mic.

die wolle des waldschafes bewegt sich im bereich zwischen 35-40 micron, also eine sehr grobe wolle. in der verarbeitung, v.a. im kardierprozess empfand ich die wolle als sehr hart, grannig und langfasrig, beim filzen blieb trotz intensiver bearbeitung recht viel luft im verbund. gute ergebnisse habe ich gemacht, als ich für ein sitzkissen waldschaf mit deutschem merino gemischt habe. so entstand die nötige dichte und der charakter der groben waldschafwolle  (dem steinschaf sehr ähnlich) blieb prima erhalten, da die merino quasi als feinfasriger kitt fungierte und schön in die lücken rutschte.

erika und molly wird das weniger interessieren – nachdem ich ihren stall verließ, haben sie sich unverzüglich ihrer winterlieblingstätigkeit gewidmet: fressen.

 

 

sommerdämmerung

wenn die nebel ziehen und am frühen morgen aus den donauniederungen aufsteigen, wenn die luft feuchtfrisch in die zimmer weht, wenn die kreuzspinnen ihre vor tautropfen glitzernden netze nicht länger vor neugierigen augen verstecken können, dann ist er da, der herbst.

und mit ihm die letzten sonnentage, die es zulassen, die gesammelten schurschätze endgültig urbar zu machen – so verbrachte ich viele stunden mit aussortieren, waschen, lockern, trocknen.

karamellfarbenes und dunkelbraunes, fast schwarzes bergschaf (danke! das paket ist angekommen!), ouessant in schwarz, braun und grau und heidschnucke in weiß und grau – die kisten füllen sich mit leise duftenden wollwolken und das ist ein gutes gefühl! ebenso waren bereits einige menschen bei mir, die ungewaschene wolle erbaten, um die tannen oder obstbäume winterfest und rehsicher zu machen – der verbiß läßt nach, sobald das reh auf wolle beißt (oder sie riecht?) – was für eine gute möglichkeit, auch die bauchwolle zu verwenden.

der blätterdruck ließ mich nicht los, so entstanden z.b. einige baumwoll-loops. und endlich traute ich mich, einen bedruckten etamin einzufilzen – nur am rand in rauchblau, stimmig zu den blauholztönen der färbung –

und siehe da: der print wurde leicht schwächer, die farben und formen aber blieben erhalten. wahrscheinlich ist es dennoch ratsamer erst zu filzen und dann zu drucken – das schont die nerven – ein versuch war es aber völlig wert.

und was ist das???!

ja – das sind die neuen räume der werkstatt augentrost – mitten in der deggendorfer innenstadt. schon in 10 tagen wird dort der erste kurstag stattfinden – einiges sucht noch seinen platz. ich kenne hier mittlerweile jedes knarzende brett, jede schiefe wand, jede alte tür – sie alle erzählen geschichten von früher, als hier geschneidert, gelacht, gelebt wurde in diesem gut hundert jahre alten haus – und ich fühle mich mitten drin und warm.

 

 

hinaus!

sovieles zu entdecken gibt es – pausenlos, immerzu… es lohnt sich, genau zu schauen, im kleinen und kleinsten…

so bin ich denn auch viel unterwegs auf der wiese und am wald, um z.b. nach blättchen zu suchen, ich kann gar nicht anders. da ich sowieso vom typ sachensucher bin, bin ich eigentlich nie gelangweilt, denn ich finde immer irgendwas interessantes – so auch im urlaub.

bei flirrender hitze machte ich mich auf in die olivenhaine, um zerreiche, steineiche, lorbeer und anderes laub zu sammeln – getrocknet und gepresst kam es nun zum einsatz – gemeinsam mit meinen eigenen wiesen- und gartenschätzen: walnuss, eiche, birke, heckenrose, rainfarn und färberkamille.

etamin, baumwollgaze, käseleinen, verschiedene seiden und auch baumwollmousseline – alles belegte ich im rhythmus des windes, im zirpgesang der heuhüpfer, im zufriedenen schafsgeblöcke, im wechsel der wolken und der sonne mitten auf der wiese. fast wollte ich nicht mehr aufhören –

das rollenzubinden allerdings  (v.a. bei den dickeren stoffen, die ich – ja, ich gebe es zu – sehr lang gewählt habe…) gab meinen fingern dann doch den rest – aber ich sehe  auf wunderbare tücher, rieche die kraft der gerbsäure und den feinherben duft des rainfarn, meiner lieblingswiesenfärbepflanze. seht ihr die struktur des gefiederten blatts und die dolde?

ich konnte es mir nicht ganz verkneifen, ein paar krümelchen krapp musste ich einfach daraufstreuen;  ein bisschen kam ich mir dabei vor wie ein koch – ein bisschen krapp, ein bisschen birkenbrösel von letztem jahr, die ich nicht wegschmeißen wollte und: war da nicht noch blauholz vom eierfärben übrig? ja – nur das war mir im endeffekt doch zuviel blau….

also: doch beim eigenen färbegut bleiben und beobachten wie drei mal walnuss auf etamin dreimal anders färbt –

auffällig auch, wie stark die zerreichenblätter ihre farben spendeten – und die blattform so bizarr

wie auch bei anderen abbindefärbungstechniken: je gröber der stoff/je lockerer gewebt desto diffuser der druck. auf etamin eine wahre pracht, auf seide ist es mir fast zu stempelig, so exakt sind die drucke. was ich wohl damit anstellen werde? filzen? nähen?weiter färben? …der dunkle winter wird es mir zeigen!

für heute schließe ich die tür. doch sobald die risse in den fingern (vom schnüre anziehen) verheilt sind….die schätze  winken herein – schau hinaus und lass dich begeistern!