Archive for the ‘Anleitung’ Category

Rabenwinter

Jetzt wo die Tage wirklich kalt werden und die Nächte noch viel mehr ist er wohl da, der Winter. Schon geraume Zeit besiedeln wieder Rabenvögel die kahlen Bäume, krakelen und hüpfen munter auf der Suche nach Fressbaren über weiß bezuckerte Felder.

Winterausgabe 2020
Herausgeberin: Kristin Ritschl
Titelfotografie: Alexandra Dost

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In der neuen Winterausgabe der Zeitschrift Holunderelfe dreht sich alles um „Eine Runde Sache“. Das Heft steckt auch dieses Mal wieder voller Inspirationen in Text und Bild. Viele verschiedene Autorinnen haben ihre Ideen im Kontext von Naturwissen, Lebensrhythmus, Textilkunst und – handwerk zusammengetragen. Kristin hat aus all den Beiträgen das große Ganze zusammen gefügt – was für ein Schatz. Vielleicht entdeckt ihr das Heft ja auch im Zeitschriftenladen eures Vertrauens – ansonsten findet ihr mehr Infos hier

Mein Beitrag „Rabenwinter“ thematisiert dieses Mal das Malen mit Wolle mithilfe der Filznadel – und zwar auf einer ausrangierten Jeans.

Schritt für Schritt zeige ich, wie ihr mit einfachen Mitteln ein Motiv gekonnt in Szene setzen könnt, gebe meine Erfahrungen in dieser Technik weiter und freue mich, wenn viele verschiedenste Rabenwinter entstehen.

So wünsche ich euch eine tätige und zuversichtliche Adventszeit – und: achtet auf dunklen Rabengesellen, wenn sie wieder einmal eine Walnuss auf die Straße legen, vor eurem Auto schnell zur Seite hüpfen und am Straßenrand inne halten. Sie warten, ob das Auto über die Nuß fährt, so dass sie endlich an den leckeren Kern gelangen können…

Regenbogenbunt DIY für Kleine mit Große

Regenbogenbunt statt grau ( und braun)! In diesem dichten Novembernebel des lockdown light ( hört sich irgendwie so nach Diätschokolade an…) sind viele bunte Farben und ein Regenbogen genau das Richtige für eine kleine Aktion mit wenig Wolle und Seifenspaß – gerade mit ganz kleinen Mitfilzern und Mitfilzerinnen im Kindergartenalter. Der Aufwand hält sich in engen Grenzen, das Material kann aus der Restekiste gesucht werden und beim Wolken filzen kann gar nichts schief ( genug) gehen…

Vorneweg – die Idee des Ring- Regenbogens ist weder brandneu noch im Grunde originär von mir. In meiner Jugendfreizeitszeit haben wir bereits Ringe mit Krepppapier umwickelt. Die Idee, mit kleinen Helfern ein garantiert gelingendes Beiwerk herzustellen jedoch kam mir bei einer Anfrage einer Erzieherin, was man denn mit Kleinkindern „Gscheits“ filzen könne ( vielleicht sollten gerade die Großen, auch die Eltern überdenken, welche Definition sie denn was „Gscheitem“ zuordnen und welchen ihrer ideellen Vorstellungen sie die Werke der Kinder unterwerfen wollen….)

Hier mein Vorschlag für was spaßiges „Gscheits“

Im Vorfeld richtet eine Schüssel, Seife, und Handtuch am gemeinsamen Werkplatz her. Eine Nähnadel mit bereits eingefädeltem Faden eurer Wahl, eine Schere und evtl. eine Filznadel sollte für die Große in greifbarer Nähe bereit liegen

Außer einer Hand voll weißer Vlieswolle und ein paar bunten Fasern Strangwolle in Lieblingsfarben braucht ihr einen Vorhangring ( jaja, ich mutmaße, dass es so eine ominöse 80ger Jahre Plastiktüte voll dieser Teile in fast jedem Keller gibt – denn zum Wegwerfen sind sie immer zu schade und man könnte sie ja auch noch mal brauchen….. Ansonsten hilft ein Anruf bei der Oma oder der Nachbarin, der Gang zum Sozialkaufhaus oder ihr schneidet einen Ring aus Karton oder einem Pappteller aus)

Jetzt folgt die erste Teamwork. Die Große bindet den ersten schmalen Wollstreifen mit einem einfachen Knoten an den Ring und hält diesen fest. Der Kleine zieht mit flinken kleinen Fingern Runde um Runde die bunte Wolle durch den Ring, die Große greift nach und verhindert damit, dass die Wolle rutscht.

Wie ihr die Farben verteilt ist ganz euch überlassen – ich habe mich entschieden, den Ring in der unteren Hälfte mit Blau und in der oberen Hälfte bunt zu gestalten. Beim Farbwechsel benötigt es evtl. die großen Finger, um die Fasern in der ersten Runde mit der Vorgängerfarbe überlappend zu wickeln, dann können die kleinen Finger weiter arbeiten. Hand-Auge-Koordination, Geduld, Ausdauer, Feinmotorik… oder einfach nur Spaß am gemeinsamen Arbeiten.

Die Fasern der letzten Farbe können von der Großen mit einer Filznadel parallel zum Holz vorsichtig unter die Wickelung geschoben werden.

Tipp: Das kann mit einer bereits abgebrochenen Filznadel ( wer solche besitzt, hat auch so manches Gerippe denn: genau – man könnte sie ja nochmal brauchen…) gefahrlos und schnell erledigt werden.

Für sehr junge Kinder könnt ihr diesen Schritt bis hier her auch alleine vorbereiten – die trocken umwickelten Ringe lassen sich gut lagern und bei Bedarf hervorzaubern.

Nun noch die Wölkchen vorbereiten.

Die Große teilt die weiße Vlieswolle in drei Streifen und rollt daraus mit Hilfe des Kleinen drei kleinere Kugeln. Diese werden zuerst mit trockenen Händen bearbeitet, über die Unterlage oder auch in der Hand gekugelt und gerollt. Vielleicht kann man auch mal versuchen, sie in die Schüssel oder vom Tisch zu pusten….Aber dann kommt endlich das (handwarme) Wasser und Seife ins Spiel.

Die Hände wie beim Hände waschen richtig gut einseifen. Der Ring wird ins Wasser getaucht, kommt in die seifige Hand und wird nun erst vorsichtig später stärker mit seifigen Händen von allen Seiten gestreichelt – je fester die Wolle darum gewickelt war desto weniger besteht nun Rutschgefahr.

Schrumpfen kann die Wolle um den Ring nicht wirklich, aber sich etwas schließen und vorallem Spaß machen.

Achtung: Solltet ihr einen Pappring umwickelt haben bleibt dieser trocken! Ihr lasst diesen Schritt aus und ihr springt gleich zum nächsten!

Aus den weißen Wollkugeln entstehen im nächsten Schritt durch Rollen und Reiben fluffige Filzwolken – hier zählt nur der Spaß am Seifenwasser. Wird es gar zu flutschig wird das Wölkchen einfach kurz im Handtuch ausgedrückt. Auch die Hände und die Unterlage etwas trocknen und den Filz feucht und ohne weiteres Wasser oder Seife weiterrollen, kneten, quetschen, klopfen,… alles was Spaß macht.

Das Ergebnis darf aussehen wie verunglückte Kugeln – und das ist gut so.

Nun ist es dem kleinen Filzer meist wichtig zu wissen, wann denn das tolle Mobile endlich fertig ist. Die Große versucht derweil mit glitschigen Fingern mithilfe von Nähnadel und Faden (Oh wie schön! Der war ja im Vorfeld schon eingefädelt!!!) die Wölkchen in unterschiedlichen Höhen am Ring an zu nähen oder auch zu knoten und oben einen Faden zum Aufhängen anzubringen.

Und während der kleine Filzer bereits durch die Seifenwasserpfützen rollt hängt die Große das neue Mobile auf, freut sich und überlegt, wem sie mit einem Nächsten eine Freude machen könnte…

Gestalt geben

Ein kleiner Einblick in einen Auftrag, der mir bereits im Sommer viel Freude gemacht hat.

Für ein Kinderhaus entstanden Krippenfiguren aus einem Mix aus Wollwickeltechnik und Nadelfilz.

Wie im letzten Artikel erwähnt gibt es viele verschiedene Arten der Figurenherstellung aus Wolle. Diese hier sind bei einer Größe von ca. 18cm nicht komplett aus Wolle sondern über ein Drahtgerüst gewickelt und gefilzt. Ich mag es, wenn diese Art von Figuren, mit denen weniger gespielt als erzählt oder Szenen gestellt werden, zwar stabil, aber nicht komplett durchgenadelt sind – so behalten sie ihre Weichheit und Flexibilität, der Faserverlauf bleibt sichtbar und auch Kinder fassen sie ganz anders an, behutsamer und bedachter.

In vielen Kursen habe ich diese Art des Figurenbaus bereits weiter gegeben – es ist mir jedes Mal eine Freude, wie nicht nur die Phantasie sondern auch die Fertigkeit der Teilnehmer*innen von Figur zu Figur wächst. Denn neben der Qualität der Verarbeitung spielen auch Proportionen, Farb- und Wollauswahl eine große Rolle.

So habe ich für dieses Figurenset vorwiegend heimische Wollmischungen wie süddeutsche Merino oder Bergschaf ( teilweise Handfärbungen) und auch verschiedene Rohwollen wie Heidschnucke oder Romney verwendet – für Frisuren und auch Gewand. Merinostrangwollen finden bei mir noch manches Mal als Haartracht für die Frauen Verwendung – für sehr viel mehr verwende ich diese Wolle – zumindest im Figurenbau – kaum noch.

Auch einige Tiere waren gefragt – und so kam ich in den Genuss, mir auch mal ein Schweinchen genauer anzuschauen, bevor ich es in Wolle nachempfand.

Ein kleiner Schmiegespatz für die tägliche Erzählrunde rundete auch für mich die intensive Arbeit an den Krippenfiguren ab.

Diesen filzte ich nass aus feiner gut schließender Wolle und ließ mir in der Verarbeitung viel Zeit. Gerne sag ich meinen Kursteilnehmer*innen, dass man vorallem Figuren jede Minute Arbeit ansieht – jedes Minütchen ein Quentchen Liebe zum Detail.

Künftig wird er oft durch viele größere und kleine Hände der Spatzengruppe gehen, gekuschelt, gedrückt und gedreht werden – auch das kann eine Filzfigur gut aushalten. Auf die Herstellungsweise und die Materialauswahl kommt es an.

Ein paar kleine stilisierte Rotkehlchen als Baumanhängerchen habe ich im Anschluss fürs „Marktplätzchen“ in Straubing gefilzt. Ihr findet in diesem kleinen Laden in der Albrechtsgasse 23 verschiedenste Produkte regionaler Handwerker*innen und Werkstätten – darunter auch ein paar Kleinigkeiten aus der Filzwerkstatt Augentrost. Vielleicht habt ihr ja morgen oder übermorgen Zeit, nochmal dort vorbei zu schauen.

Mein nächster Beitrag wird etwas für euch zum Mitmachen sein. Wir steuern dem nächsten – wenn auch nur partiellen- lock down entgegen. Und welches Zeichen zauberte uns schon mal ein Lächeln ins Gesicht? Ja…. genau…..

Sommerschlaf

Ja…hier ist es ruhig geworden…und um es gleich vorweg zu nehmen: der Sommerschlaf in der Werkstatt ( der ja dieses Jahr bereits im März begonnen hat) wird sich noch verlängern. Wie manche bereits bemerkt haben ist dieses Jahr kein neues Kursprogramm erschienen – zu unsicher ist mir die derzeitige Lage.


Was passiert nun in der Filzwerkstatt Augentrost hinter den Kurskulissen – ein ganz kleiner Einblick:

Viele neue Kursideen stehen bereits in meinen ( mittlerweile
aus den übriggebliebenen Blättern hinten in den alten Schulheften der Kinder selbst gebundenen) Notizbüchern, die immer auf dem Nachtkastl liegen. Bleibt also neugierig und gespannt – eine neue Kurszeit wird kommen, in naher Zukunft – für uns alle.

Einige Artikel und Anleitungen haben meinen Schreib- und Werktisch verlassen – zu finden z.B. das Gänseblümchenschloß und die Wiesenburg in der Sommerfilzfun. Eine kleine feine Filzidee mit viel Spielmehrwert – und das gleich im Doppelpack.

Einige größere und kleinere Aufträge verließen die Werkstatt in den letzten Monaten. Ich danke an dieser Stelle allen, die gerade in dieser Zeit an die kleinen Werkstätten und Hersteller aller Gewerke denken und diese mit ihren Aufträgen nicht nur unterstützen sondern sich echtes Handgemachtes mit Können und Herz nach Hause holen – vielen Dank.

Eine weitere Neuigkeit ist, dass es eine kleine Auswahl meiner Filzereien seit Juli nicht mehr nur via Bestellung bei mir (info@augentrost.info) sondern nun auch ganz analog in einem kleinen Laden namens Marktplätzchen, Albrechtgasse 23 in Straubing zu erwerben gibt. Hier findet sich vielfältiges Kunsthandwerk von über 30 Werkstätten aus der Region – ein Besuch lohnt sich alle Mal. Gerne schreibe ich beim nächsten Mal ausführlicher über dieses wunderbare Projekt .

Dort findet ihr gerade z.B. diese Tischdeko/ Begleiterchen für den 1. Schultag – diese können ganz nach Wunsch auch personalisiert gestaltet werden

Auch habe ich einige Artikel auf palundu, einer Plattform für Selbstgemachtes eingestellt. Ihr findet mich – natürlich – unter Filzwerkstattaugentrost – dazu gerne ein anderes Mal mehr.

Ihr seht, die Ruhe birgt auch vieles Ungehörte. Ich freue mich über immer über eure Rückmeldungen, Bestellungen, Grüße und Lebenszeichen. Wer mag, schaut sich ein paar mehr Eindrücke auf Instagramm @filzwerkstatt_augentrost an – aber: hier wird’s ab nun auch wieder bunter – versprochen!

Donaukiesel

Wer hier öfter liest weiß, dass ich der Natur rund um die Donau sehr verbunden bin – aber wusstet ihr auch, dass ihr die Anleitung für die vom Donaustrand inspirierte Kieseltasche in der aktuellen filzfun-Special finden könnt? (unbezahlte Werbung)

Neben meiner detailliert bebilderten Schritt-für-Schritt Anleitung findet ihr aber noch mehr als 10 andere Filzprojekte zum Nachfilzen – allesamt von erfahrenen Filzkolleginnen ausgedacht und aufgeschrieben.

So könnt ihr euch in dieser Zeit ohne Filzkurse dort viele Ideen holen – den Anleitungen Schritt für Schritt folgend oder die dort beschriebenen Vorschläge für eigene Projekte abwandeln.

Auch die Kieselsteintasche ist erprobt – die tollen Kursergebnisse konntet ihr en Detail schon einmal hier sehen.

Und solltet ihr ein solches Projekt doch lieber hier in der Werkstatt mit meiner Unterstützung angehen wollen: Ab 5 Teilnehmern könnt ihr gerne – – sobald ein Kursbetrieb wieder möglich sein wird – einen Termin bei mir buchen (für dieses Projekt benötigen wir 2 Abende oder einen Tag. Filzerfahrung im Auslegen von Hohlformen ist definitiv von Vorteil).

Vielleicht werde ich diese Tasche auch nochmal ins Programm 20/21 aufnehmen – das nimmt nämlich – trotz der momentanen Unwägbarkeiten – bereits Form und Gestalt an.



Ich wünsche euch von Herzen viel Zuversicht in diesen Wochen und vielleicht Monaten. Auch ich werde nicht mehr jeden Tag hier in der Werkstatt sein sondern daheim arbeiten. Die Räume kommen mir leer und etwas traurig vor – meine quirligen und eifrigen Kurse und deren Teilnehmerinnen fehlen mir grade mehr, als ich zuerst dachte.

Was mir bleibt ist die Hoffnung, viele von euch bald gesund, froh und zuversichtlich wieder hier an den Tischen zum gemeinsamen Arbeiten begrüßen zu können. Bleibt mir und meiner Arbeit gewogen – für Aufträge bin ich natürlich gerne jederzeit ansprechbar – per mail unter info@augentrost.info bin ich zuverlässig zu erreichen.

Hebt doch einfach auf einem eurer nächsten Spaziergänge oder an eurem Lieblingsplatz einen Kieselstein auf und nehmt ihn mit nach Hause. Wer weiß schon, wie viele sich da während der Zeit der Ausgangsbeschränkung ansammeln werden….und was man danach damit aufbauen kann…